300_rechner

Liebe lebendige Leserinnen und Leser,

wenn man damit beginnt, persönliche statistische Berechnungen anzustellen, kann einem bewusst werden, wie unglaublich viel in ein (durchschnittlich langes) Menschenleben doch hineinpasst. Dazu von meiner Seite einige Überlegungen.

Ich habe mit meinen Blogs seit Oktober 2017 ungefähr 1.200 Seiten gefüllt. Das weiß ich, weil ich alle meine Geschichten parallel zur Publikation im Internet inzwischen auch in Buchseiten in DinA5 (Romanformat) angelegt habe. Ob ich das fürs zinkl’sche Bücherregal tatsächlich drucken lassen werde, lasse ich mal dahingestellt. Es ist ja immer schön, in diesen digitalen Zeiten auch was Physisches zu haben. Um ans Regal hingehen, hinschauen und sich sagen zu können: „Da schau, du alter Narr, das ist dein literarisches Werk in gerade mal sechs Jahren deines Lebens. Und ein paar Leute haben es sogar gelesen, wie erquicklich.

Ich habe seit der Erfindung der MP3-Audiodatei 105.325 Musikstücke angesammelt. Klassik, Rock, Pop, Jazz. Wenn man ca. 20 Jahre lang mit Begeisterung dabei ist, kommt so eine Menge schon zusammen. Nimmt man man nun eine Durchschnittsdauer von 5 Minuten pro Stück an (viele Lieder sind kürzer, die klassischen Stücke oft um ein Vielfaches länger), sind das 526.625 Minuten. Das sind 8.777 Stunden = 365 Tage, wenn ich die gesamte Musik ununterbrochen ablaufen lasse. Ich habe also höchstwahrscheinlich noch Gelegenheit, die gesamte Sammlung anhören zu können. Das werde ich wohl nicht tun, dafür aber die Lieder von Steely Dan und die Sinfonien von Anton Bruckner öfters hören. Und das Klavierkonzert für die linke Hand von Dieter Nowka (1924 – 1998). Letzteres kennt kaum jemand, aber ich mag es ziemlich gern.

Ich schwimme seit Dezember 2018 zweimal in der Woche je einen Kilometer im Hallenbad. Öfters auch dreimal — das gleicht sich aber aus mit Urlaubsreisen und Erkältungen, während denen ich nicht im Hallenbad war. Zusammengezählt sind das jetzt 5 Jahre x 52 Wochen x 2 = 560 Kilometer. Von München bis nach Paderborn geschwommen. Immerhin.

Wieviele Jobs ich als Grafik-Designer seit 1987 für die unterschiedlichsten Auftraggeber / Firmen bearbeitet und abgerechnet habe, kann ich nicht mal erahnen. Aber wenn ich das grob überschlage, verbrachte ich damit 37 Jahre x 260 Werktage x 8 Stunden= 76.960 Stunden. Natürlich muss man manche Wochenenden dazunehmen und ein paar Urlaubsreisen abziehen. Aber das könnte schon hinkommen.

Als Musiker komponierte / produzierte ich seit Mitte der 90er Jahre 206 Stücke, die alle veröffentlicht worden sind (außerdem 126 unveröffentlichte Stücke davor und dazwischen). An vielen davon arbeitete ich wochenlang, bei allen habe ich mein Herzblut vergossen. Zum (unsinnigen) Vergleich: Peter Gabriel bringt es seit seiner Solokarriere (ab 1977) auf ungefähr 195 Lieder. Er ist ja bekanntermaßen ein recht gewissenhafter Arbeiter und hat die letzen 20 Jahre auch damit pausiert, neue Stücke zu veröffentlichen. Zinkl kann sich freilich überhaupt nicht mit Peter Gabriel vergleichen, aber eines kann er: feststellen, dass er mindestens so fleißig gewesen ist wie der gute Peter.

So kann man sein Leben also in Zahlen bestimmen. Wie oft man sich Schweinswürstel gebraten hat, wie oft man auf dem Klo gesessen ist, wie oft man sexuell tätig gewesen ist (zu zweit oder auch alleine). Wie oft man in der Nase gebohrt hat, wie oft man gehustet hat, wie oft man beim Zahnarzt war, wie oft man gestolpert ist, wieviele Stunden man Schmerzen hatte. Wieviele Momente man glücklich war und wie oft man herzhaft hat lachen müssen. Zumindest bei mir hapert es mit dem herzhaften Lachen, das schaffte ich früher manchmal als Kind bei der Slapstick-Serie mit der englischen Popband „The Monkeys“ und als Jugendlicher bei der Fernsehserie „Männerwirtschaft“ mit Tony Randall und Jack Klugman. Nicht zu vergessen bei ein paar großartigen Momenten mit Louis de Funes. Lachen also fast nur vor der Glotze, wie mir scheint. Aber das ist auch okay.

Unheimlich wird es, wenn man ausrechnet, wieviele Tage man bereits gelebt hat und wieviele man noch haben wird. Bei mir: bisher fast 64 Jahre x 365 Tage = 23.360 Tage. Wenn ich 85 Jahre alt werde, habe ich noch 7.665 Tage vor mir. Das ist nicht wenig, in der Zeit könnte ich locker noch einmal 100.000 MP3s ansammeln. Oder weitere 2.190 Kilometer schwimmen: von München nach Athen.

Ich könnte in den nächsten 20 Jahren auch weitere Blogs schreiben. Bei zwei im Monat wären das 480 Aufsätze. Dann bin ich ungefähr bei 780 Blogs insgesamt. Aber das halte ich für unwahrscheinlich, denn mir fällt ja jetzt schon nichts mehr ein, was mitteilungswürdig wäre. Wie man diesem aktuellen Schriftstück anmerken könnte.

Aber vielleicht würde es meinen Leserinnen und Lesern Spaß machen, für ihr eigenes Leben Berechnungen anzustellen. Was bisher getan wurde und was noch zu tun sein wird. Die Zeit ist begrenzt und man muss wohl oder übel Prioritäten setzen. Sich alle Folgen der Kriminalfilmserie „Derrick“ reinziehen oder lieber alle Achttausender besteigen? Ich persönlich ziehe in diesem Falle eindeutig Derrick vor, das ist problemlos machbar und auch wesentlich ungefährlicher.

Ich freue mich jedenfalls, wenn ich am Morgen aufwache und feststelle, dass ich noch nicht gestorben bin, sondern nur was Närrisches geträumt habe. Das Leben ist ein Glück, wenn es im Großen und Ganzen schmerzfrei abläuft. Und wenn man nette Leute kennt, mit denen man noch 240 weitere fröhliche Schafkopfabende verbringen kann. Und wenn man eine so unglaublich liebe Frau an seiner Seite hat, wie ich mit Alexandra.

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