
Liebe Leute,
in diesem August-Blog geht es mal wieder um Gedanken, die den musikproduzierenden Zinkl herumtreiben. Diesen Zinkl gibt es seit 1991, seit 1994 wirft er seine Tondokumente in die Öffentlichkeit. Welche das mit mehr oder weniger großem Interesse hinnimmt.
Dieser Zinkl ist ein Tonkünstler ohne Ausbildung. Ihm wurde als Kind nicht nahegelegt, ein Instrument zu erlernen, also tat er das auch nicht. Aber als er sah, wie Keith Emerson (der legendäre Keyboarder von Emerson Lake & Palmer) mit seinem Instrument umging, wollte Zinkl das unbedingt auch. Seine großzügige Mama erwarb für den Jüngling eine Farfisa-Heimorgel. Ohne jegliche Kenntnisse der Tonarten und der Harmonielehre traktierte Zinkl das Gerät, seine Finger flogen über die Tasten, dass es zum Staunen war. Aber er konnte gerade mal „Alle meine Entchen“ spielen, ohne sich dabei mehr als zweimal zu vergreifen. Und das auch nur in C-dur, wobei er gar nicht wusste, was C-Dur bedeutete. Es war ein Elend.
Zahlreiche mühevolle Versuche, eigene musikalische Ideen hörbar zu machen (d.h. zu konservieren) gingen ins Land, bis ihm die Menschheit einen Apple-Computer ans Herz legte. Nun konnte Zinkl „Alle meine Entchen“ und auch komplexere Stücke aufnehmen und die dabei entstehenden „Tastenvergreifer“ nachträglich am Bildschirm korrigieren. Deshalb fing er an, total kompliziertes Zeug aufzunehmen. Weil es eben möglich war. Mit dem Computerprogramm ließen sich problemlos Tonreihen transponieren, von hinten nach vorne spielen oder nach dem Zufallsprinzip durcheinanderwirbeln. Dadurch konnten neben Kakophonien auch lustige, freilich meist atonale Melodien entstehen, die sich das menschliche Gehirn nur schwer ausdenken kann.
In den Jahrzehnten unermüdlichen Experimentierens lernte Zinkl irgendwann auch zu erkennen, was C-dur bedeutete, brachte aber trotzdem am liebsten die schwarzen Tasten auf der Klaviatur zum Einsatz. Außerdem nahm er Mitte der 90er Jahre bei einem greisen Klavierlehrer Unterricht. Herr Schottky legte ihm nahe, die einfacheren Mikrokosmos-Stücke von Bela Bartok vom Notenblatt zu spielen. Das war so grausam mühevoll, dass Zinkl hinschmiss und sich doch wieder lieber an den Apple-Mac setzte, um in beliebiger Manier Töne anzuhäufen, ohne Kenntnis der Regeln, die berühmte Komponisten vor ihm aufgestellt hatten. Aber Zinkl nahm die Sache trotzdem sehr ernst und tüftelte Tausende von Stunden an seinen Stücken herum, bis sie aus seiner Sicht gelungen waren. So wurden also zwei Handvoll eigensinniger und unkonventioneller Zinkl-Alben ins Leben gerufen.
Bis vor einem Jahr ging das so. Zinkl schuf über 300 Stücke, meistens ohne die menschliche Stimme miteinzubeziehen. Diesbezüglich gab es wenige Ausnahmen, nämlich drei: die wunderbare Londoner Sängerin Alkimia Lux (2001), den scheuen Bariton Michael Nagy (2016) und den großartigen Prog-Sänger Robert Gozon (2022). Irgendwann fing Zinkl auch noch selbst an zu singen (2022 / 2023), was — sehr wohlwollend betrachtet — durchaus extravagante Ergebnisse hervorbrachte.
Wie auch immer, das geschah alles vor 2024.
Dann wurden die KI und verschiedene von ihr unterstützte Softwareanwendungen geboren. Dass man mittlerweile von ChatGPT jegliche Frage beantwortet bekommt und dies fast immer hochkompetent und zudem sehr freundlich und unendlich geduldig, das hat inzwischen wohl jeder mitbekommen, der online unterwegs ist.
Ich habe mir den Spaß erlaubt und ChatGPT gebeten: „Schreibe mir bitte auf Englisch ein Gedicht über einen Radfahrer, der sich über die rücksichtslosen Autofahrer ärgert. Aber sobald er selbst am Steuer seines Auto sitzt, regt er sich wütend über die Radfahrer auf, die ihm beim Straßenverkehr auf die Nerven gehen.“
Es hat keine 5 Sekunden gedauert, da erschien auf dem Bildschirm ein Gedicht mit fünf vierzeiligen Strophen. Jeweils die ersten beiden und die zweiten beiden Zeilen reimten sich. Die Geschichte war klar und verständlich und ausdrucksstark erzählt, in einwandfreier englischer Sprache. Ich habe das Gedicht meinem lieben Freund Hans (Englischlehrer!) gezeigt und er war erstaunt und begeistert über das Ergebnis. Die letzte Strophe, in der die Hoffnung ausgesprochen wird, dass sich Auto- und Radfahrer irgendwann wohl doch friedvoll begegnen könnten, ist ein wunderbarer Abschluss dieses lyrischen Werkes und zeigt die humane Gesinnung von ChatGPT.
Meine Englischkenntnisse sind ja sowieso bescheiden, aber ein solch gutes Gedicht (bzw. einen solchen Text für ein Lied) hätte ich nie und nimmer ohne fremde Hilfe fertiggebracht, auch nicht in vielen Tagen, da hätte ich meine grauen Zellen noch so bemühen können. Nun kann man durchaus behaupten, dieses Gedicht ist nicht vom Zinkl, das ist richtig. Die KI ist der Urheber. Aber wer hat nun darauf das Urheberecht, wenn ich mit diesem Text ein Lied produzieren würde? Eine Software kann ja kein Urheberrecht haben, oder?
Das ist eine Frage, die zur Zeit wohl sehr viele Leute beschäftigt: die Frage nach dem Urheberrecht in Verbindung mit künstlicher Intelligenz. Und es geht ja nicht nur um Texte / Gedichte. Sondern inzwischen auch um Tongemälde, um Musik!
Neuerdings gibt es Software-Programme, die lassen wie aus dem Nichts heraus Popsongs, Death Metal, französische Chansons, bayerische Volksmusik, Film-Soundtracks und Musik aller möglichen weiteren Stilrichtungen entstehen. Und zwar blitzschnell in erstaunlich hochwertiger, ja absolut professioneller Qualität — zumindest was die handwerkliche Umsetzung betrifft.
Man gibt einen sogenannten „Prompt“ (= oberflächliche Beschreibung der gewünschten Musik) ein und dann kreiert das Programm ein Lied daraus. Wenn man keinen Text für das Lied eingegeben hat, erfindet das Programm selbst einen, der dazu passt. Es ist unfassbar.
Das hat (noch) seine Tücken, denn die von mir verwendete Software komponiert und arrangiert nach ganz eigenen, nicht unbedingt nachvollziehbaren Regeln. Das bedeutet, es kommt durchaus nicht das heraus, was man sich vorstellt. Sondern erstmal nur ein 30 Sekunden langes Zufallsprodukt. Man kann nun mehrmals weitere (mehr oder weniger passende) 30 Sekunden vorne und hinten dranstückeln, man kann ein 30 Sekunden langes Intro oder ein 30 Sekunden langes Finale dazugeben. Was letztendlich dabei rauskommt, ist eher ein musikalisches Kuriosum in beliebiger Länge, weniger ein ernstzunehmendes Werk.
Eines jedoch ist faszinierend: Die Instrumente und vor allem die Gesangsstimmen klingen total echt. Es ist so, als wäre eine richtig gute Jazz-Bigband oder ein ganzes Sinfonieorchester oder Chöre oder halt einfach Rockbands mit starken Sängern / Sängerinnen aufgenommen worden. Das haut mich aus den Socken und macht mich fertig. 30 Sekunden Musik aus dieser Quelle klingen professioneller als 300 Lieder mit Zinklmusik.
Aber — was mich froh macht und irgendwie beruhigt: auch bei weitem nicht so originell. Die KI bedient sich bei musikalischen und hochprofessionellen Vorbildern aus der ganzen Welt. Sie spuckt den perfekten sonnigen Popsong aus, innerhalb von Minuten. Aber dieser klingt wie ein Popsong, der einem irgendwie bekannt vorkommt, den man in ähnlicher Weise schon gehört hat. Eben so wie ein Lied von den Beach Boys oder von Britney Spears oder von Depeche Mode. Die Software kann nur das als Vorbild nehmen, was es bereits gibt. Und hat keinerlei Skrupel vor unverschämten Nachahmungen. Und sie steckt hinsichtlich der kompositorischen Qualität noch in den Kinderschuhen. Das wird sich aber bald ändern, nehme ich an.
Die Entwickler dieses Programms haben aus gutem Grund keine Prompt-Eingabe ermöglicht, wie z.B.: „Ich will ein neues Lied, das klingt wie von Queen.“ Das geht nicht. Namen sind nicht erlaubt. Man kann es höchstens umschreiben und wenn man das klug macht und Glück hat, kommt ein neues Lied wie von Freddie gesungen heraus.
Ich habe gelesen, dass die Major Labels aus USA eine Urheberrechtsklage gegen diese Programme anstreben. Denn jene hätten ihre Software angeblich urheberrechtlich unerlaubt an echten Künstlern und deren Werken trainiert. Ich kann mir das gut vorstellen. Ob diese Klage erfolgreich sein wird, wird sich irgendwann zeigen.
Auf alle Fälle habe ich schon zu meinem privaten Vergnügen begonnen, KI-Musik und originale Zinklkompositionen zu verquicken. Denn nun kann ich endlich ein richtiges Blasorchester integrieren oder ein geiles Tenorsaxophon. Was mir vorher völlig unmöglich gewesen ist — außer, ich hätte leibhaftige Musiker engagiert, was natürlich ein teures Vergnügen ist.
Wie schon vorher gesagt, ist die Kooperation aber noch sehr tricky, denn die KI-Software tut, was sie will. Sie gibt mir nicht das, was ich brauche, sondern schmeißt mir irgendeinen Brocken hin, in einer unpassenden Tonart, in einer unerwünschten Geschwindigkeit etc. Also muss ich meine Musik daran anpassen. Das geht schon auch, lustig ist es allemal. Und wenn ich nur einen komischen Text drauf lege. Das hat mit „klassischer Zinklmusik“ nichts mehr zu tun, aber: Na wenn schon!
Ich gehöre auf jeden Fall nicht zu der Fraktion, die die KI als Blendwerk des Teufels betrachtet und den damit verbundenen kulturellen Untergang der Menschheit heraufbeschwört. Für viele professionelle Studiomusiker, die mit ihrer Tätigkeit Geld verdienen müssen, ist es vielleicht ein Alptraum, denn sie könnten bald komplett ersetzt werden. Die Zeiten ändern sich, ob einem das gefällt oder nicht.
Ich jedoch freue mich, dass es diese Option gibt und dass man damit viel Spaß haben kann. Demnächst werde ich hier ein kleines Liedchen bloggen, welches ich in Kooperation mit meiner neuen Partnerin (der lieben KI) auf die Welt gebracht habe.
Ich wünsche euch noch einen schönen heißen Sommer! Und sende hiermit einen lieben Gruß an Salvatore, der mich bei der Entdeckung der KI-Musik unterstützt hat.
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Zum 3. letzten Absatz: „die Zeiten ändern sich nur, wenn die Menschen es zulassen“!!
Trotzdem bin ich echt gespannt, mal so eine Zusammenarbeit vom Zinkl und KI zu Gehör zu bekommen!!
Vui Spass damit…..
Gruaß Bäda
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