
Liebe Leserinnen und Leser,
dies ist der zweite Teil meiner Berichterstattung über das Wirken der bayerischen Kabarettgruppe Scharwitzl (siehe auch Blog Nr. 334).
Nachdem Hans, Sepp und ich im Sommer ’81 bei unserem Bühnendebüt offensichtlich für viel gute Laune gesorgt hatten, waren wir einigermaßen euphorisch — und wollten es nicht dabei bewenden lassen. Wir planten und realisierten deshalb einen baldigen zweiten Auftritt! Und zwar in der Vorweihnachtszeit — wieder in der Aula des Markt Schwabener Gymnasiums. Und natürlich mit einem brandneuen, vor allem weihnachtlichen Programm.
Ich trug das Knecht Ruprecht-Gedicht „Von drauß’, vom Walde komm’ ich her…“ in einer neuen, umgedichteten Version vor, Sepp verlas als Tagesschau-Sprecher erfundene Nachrichten, Hans und Sepp spielten das Lied „Ihr Kunden, o kommet, so kommet doch all…“. Und zu dritt gaben wir eine schräge Parodie auf die ARD-Vorabendsendung „Unter unserem Himmel — heit in da Stub’n“, in der zwei bayerische Musikanten (Hans und Sepp) interviewt werden (von mir) und ein uriges volkstümliches Lied vortragen. Wir projezierten bei diesem Weihnachtsauftritt auch Dias, aber Hans und ich wissen leider nicht mehr, was wir da gezeigt haben — wahrscheinlich war es etwas Absurdes, was sonst? Wir gaben jedenfalls unser Bestes.
Ich bin froh, dass ich von diesem Ereignis in einem alten Fotoalbum einen Zeitungsausschnitt von einer Rezension der Ebersberger Zeitung (Münchner Merkur) gefunden habe. Denn nach mittlerweile 43 Jahren kann ich mich an unsere damaligen Stücke nur noch in Fragmenten erinnern. Leider dachte ich in dieser stürmischen und drangvollen Zeit nicht daran, das ordentlich zu dokumentieren. Dafür folgt hier aber der Originaltext aus jenem Zeitungsartikel:
MIT JUNGEM ELAN SATIRE HINGESTELLT
Das Schwabener Laien-Kabarett „Scharwitzl“ zeigte eine passable Leistung.
Kann man in nur zwei Wochen ein vorführungswürdiges Kabarettprogramm zusammenstellen? — Man kann. Den Beweis erbrachte die Gruppe „Scharwitzl“ am vergangenen Freitag in Markt Schwaben. „Scharwitzl“ — das sind der Lehrling Josef Schmid, der zivildienstleistende Toni Zinkl und der Schüler Hans Schlicht. Unterstützt wurden die drei noch von vielen Statisten vor allem in der Rolle von „Engerln“, die in der Pause Süßigkeiten verteilten.
Ursprünglich wollten die drei Markt Schwabener, die im Sommer dieses Jahres ihren ersten öffentlichen Auftritt hatten, erst im nächsten Jahr wieder auf die Bühne. „Mehr oder weniger aus einer fixen Idee heraus“, sagt Hans Schlicht, habe man sich dann Anfang Dezember doch entschlossen, ein Weihnachtskabarett zu veranstalten. Ihr immerhin gut eine Stunde dauerndes Programm reichte von politischen Sticheleien über eine Verulkung der Heiligen Drei Könige bis hin zu handfestem Klamauk. Besonders gelungen ist den „Scharwitzl“ ein Block mit „Christkindl-Nachrichten“. Demnach soll Kreisky bei seinem letzten Treffen mit Arafat erfahren haben, dass „das gelobte Land nicht im Nahen Osten, sondern in der Steiermark liegt“, Mr. Reagans sehnlichster Wunsch sei es einmal als Ronald Duck aufzutreten und der Papst hätte gerne eine Päpstin und einen gemeinsamen Urlaub in Israel.
Dass die drei nicht nur Klamauk und Ironie auf Lager haben, sondern auch Scharfblick, bewiesen sie in dem von Hans Schlicht geschriebenen Lied „Christkind 1981 — oder wie ich dich sehe“. Damit wollten die drei Markt Schwabener die Scheinheiligkeit des Weihnachtsfestes in unserer Zeit aufzeigen.
Das überwiegend sehr junge Publikum in der restlos gefüllten Aula des Markt Schwabener Gymnasiums zeigte sich jedenfalls begeistert und erklatschte schließlich noch drei Zugaben.
Markus Behmer
Selbstredend, dass wir geschmeichelt waren, dass uns dieser Herrn Behmer eine so wohlwollende Zeitungskritik geschrieben hatte. Wir hatten natürlich den Laien-Bonus erhalten, sonst wäre die Rezension sicher etwas anders ausgefallen.
Das Blogbild (es ist die Abbildung aus dem Zeitungsartikel) zeigt uns übrigens als die Heiligen Drei Könige — das Christkind lag im Kinderwagen. Ich hole aus dem großen Sack Geschenke heraus, kann mich aber beim besten Willen nicht mehr erinnern, was ich da alles ans Bühnenlicht brachte. Ich würde nicht behaupten, dass mir dieser Sketch (und so einige andere) im Nachhinein peinlich wäre. Damals fanden wir das komisch und die Zuschauer auch. Aber durchaus: Es war noch viel Luft nach oben.
Als Hans und ich Anfang 1982 weitere Stücke erarbeiten und zur Aufführung bringen wollten, merkten wir, dass Sepps Begeisterung merklich nachgelassen hatte. Er versäumte Proben und brachte sich auch nicht mehr mit Ideen ein. Schließlich sagte er uns, dass er für Schwarwitzl keine Zeit und Lust mehr habe. Sehr schade, wir waren damit nur noch ein Duo — und es war uns klar, dass es für uns zu zweit kaum zu schaffen war, einen ganzen Abend unterhaltsam zu bestreiten.
Es wurde also Zeit, das Kabarett Scharwitzl zu reformieren. Mehr darüber im nächsten Blog Nr. 336: Scharwitzl, Teil 3.
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