
Liebe Leserinnen und Leser,
dies ist der fünfte und letzte Teil meiner Berichterstattung über das Wirken der bayerischen Kabarettgruppe Scharwitzl (siehe auch die Blogs 334 – 337).
Wir kamen herum, mit unserer fröhlichen Unterhaltungsshow, nicht nur in Bayern. Die weiteste Scharwitzl-Reise ever machten wir ins 200 Kilometer entfernte Bad Boll, das liegt kurz vor Stuttgart. Dort spielten wir zusammen im Kleinkunst-Doppelpaket mit dem damals noch recht unbekannten Liedermacher Werner Meier in einer Kaserne vor Bundeswehrsoldaten! Die Bundeswehr hatte uns zwar engagiert, konnte aber keine Unterkünfte bereitstellen. Daher haben wir auf dem Areal in selbst mitgebrachten Zelten übernachtet (um unsere Gage nicht gleich wieder für Hotelzimmer auszugeben). Der pfiffige Werner Meier war übrigens ein sehr Netter, er würde in späteren Jahren richtig erfolgreich werden mit Mundartmusik für Kinder.
Nur in die „Höhle des Löwen“ wagten wir uns lange Zeit nicht: nämlich in die bayerische Landeshauptstadt. Denn dort lauerte ja auch die Konkurrenz in Sachen Kleinkunst. Es gab beispielsweise das „Kabarett Fernrohr“, ebenfalls ein sehr rühriges Trio — inkl. Helmut Schleich und Christian Springer, diese beiden sind ja mittlerweile zwei Schwergewichte in der deutschen Kabarettszene. Als Münchner Auftrittsort in Frage kam für uns die „Liederbühne Robinson“ im Schlachthofviertel und wir bekamen auch einen Termin. Ich weiß noch, wie wir dort mit unserem Gepäck am frühen Abend eintrudelten und der noch ziemlich unbekannte Bruno Jonas am Tresen lehnte. Ja, alle haben mal klein angefangen.
In der Liederbühne Robinson spielten wir ein paar Mal, waren immer sehr gut besucht und bekamen viel Applaus. Inzwischen sahen wir uns schon fast als seriöse Kabarettisten und hatten unser Programm von früheren, eher klamaukigen Stücken befreit. Wir parodierten in einem Lied sogar legendäres Kabarettgehabe der 60er Jahre, als wir in roten Rollkragenpullis zackig einen kritischen Text proklamierten.
Wenn es keine vereinbarten Auftrittstermine gab, zogen wir mit unseren Requisiten auch mal in den sommerlichen Englischen Garten und fingen auf der grünen Wiese einfach an, unsere Stücke zu spielen — ohne Zuschauer. Nach einer halben Stunde waren wir dicht umringt von Leuten, die uns lachend und klatschend zuschauten. Wir waren irgendwie schon ziemlich unterhaltsam, das darf ich hier nur ein klein wenig angeberisch festhalten.
Eines Tages, im Spätherbst 1986, bekamen wir eine schriftliche Einladung aus Passau. Das Passauer „Scharfrichterhaus“ war eine legendäre Institution, dort wurden alljährlich drei Kabarettisten bzw. Kabarettgruppen zum Wettbewerb um das „Scharfrichterbeil“ eingeladen. Der junge Hape Kerkeling hatte da schon mal den ersten Preis gemacht. Und wir waren auserkoren worden, dabei zu sein — es war unfassbar! Natürlich fuhren wir hin. Wir beschlossen, dass Andrea und Hans das „Bundeswehrstück“ aufführen sollten, weil es unsere Paradeszene war. Unter den Konkurrenten war ein Duo, inkl. Urban Priol! Niemand kannte damals Urban Priol, er trat zusammen mit einem Gitarre spielenden Partner auf. Das „Urban-Duo“ bekam zurecht den ersten Preis, Scharwitzl aber immerhin den zweiten. Wir waren ziemlich stolz. Irgendwo in einem Hinterzimmer der Kleinkunstkneipe saß übrigens Sigi Zimmerschied. Das war einer meiner damaligen Helden, aber ich traute mich nicht, ihn anzusprechen.

Ende 1987 stand das Kabarett Scharwitzl vor einer schwierigen Frage. Wollten wir weitermachen, dann müssten wir mit unseren Darbietungen eine nächsthöhere, richtig professionelle Stufe erklimmen. Das würde bedeuten: deutlich mehr Zeit investieren und viel intensiver proben. Ich war inzwischen kein Grafik-Student mehr, sondern in eine Werbeagentur eingebunden — dort war es üblich, enorm viele Überstunden abzuleisten. Und Andrea wollte nach Berlin ziehen, um sich dort beruflich neu zu orientieren. Daher haben wir Scharwitzl aufgelöst — wir hatten eine wunderbare Zeit zusammen.
Viele Jahre waren Hans und ich kein kreatives Stückeschreiber-Team mehr — bis wir 2012 unseren Bauern-Epos-Sketch aus den 80ern als abendfüllendes Musical überarbeiteten und mit etlichen Live-Musikern unter Michael Raab grandios mehrmals zur Aufführung brachten. Mit dabei als männliche Darsteller waren die drei Ur-Scharwitzls Hans, Sepp und Toni, nach vier Jahrzehnten wieder vereint auf der Bühne!
Drei Jahre später schrieben Hans und ich das spektakuläre bayerische Vampir-Musical „True Bavarian Blood“, das von der „Tollhaus Theater Compagnie“ realisiert wurde und in dem wir beide auch Darsteller waren. Und dieses Jahr wird unsere neue Komödie „Optimize!“ auf die Bühne gebracht werden: vom 6. – 9. Februar in Wien vom „Stiegenhaus Ensemble“ inkl. meiner Tochter Linda und im Herbst in München von der „Tollhaus Theater Compagnie“. Ich sage dazu einfach abschließend: SCHARWITZL LEBT!

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Unter Berücksichtigung der gesamten Reihe von Teil 1-5 hier nun der Versuch einer respektvollen Betrachtung deiner / eurer frühen Begleiterscheinungen im persönlichen Leben.
Der Blog ist eine nostalgische, humorvolle und gleichzeitig selbstreflexive Rückschau auf die Geschichte der bayerischen Kabarettgruppe Scharwitzl. Der Autor erzählt von den Anfängen und den Höhen und Tiefen des Kabarettlebens, von den ersten Auftritten bis zu den Erfolgen und Herausforderungen der Gruppe. Dabei wird die Reise nicht nur aus der Perspektive eines Kabarettisten erzählt, sondern auch mit einer ordentlichen Portion Humor und einem Hauch von Selbstironie.
Besonders bemerkenswert ist, wie der Autor die Entwicklung der Gruppe beschreibt, die von den frühen, unbeschwerten Auftritten – teils in Schulaulen mit begeistertem Publikum, teils auf der Wiese im Englischen Garten ohne Publikum – bis hin zu einem prestigeträchtigen Preis im Passauer „Scharfrichterhaus“ reicht. Diese Erzählung zeigt die unvorhersehbaren Wendungen des Lebens und des künstlerischen Werdegangs auf, was den Text sehr menschlich und nachvollziehbar macht. Ich hoffe, ihr habt noch einen Draht zu Andrea!?
Der Artikel vermittelt auch eine Art von Bescheidenheit und Dankbarkeit gegenüber den Kollegen und den Erlebnissen der Gruppe, besonders im Hinblick auf die Begegnungen mit später bekannten Persönlichkeiten wie Urban Priol und Sigi Zimmerschied. Es wird deutlich, wie sehr das Kabarett für den Autor eine Leidenschaft war und wie die damalige Zusammenarbeit auch Jahre später noch Früchte trägt, wie etwa bei den späteren Projekten wie dem Vampir-Musical „True Bavarian Blood“ oder dem aktuellen Musical „Optimize!“
Insgesamt ist der Blogartikel eine anregende Mischung aus Rückblick, persönlicher Anekdote und der Freude über die anhaltende kreative Tätigkeit. Der Übergang von den Anfängen der Kabarettgruppe zu den aktuellen Projekten zeigt, wie sich kreative Leidenschaft über die Jahre entwickeln und neu entfalten kann. Ist interessant all das auch im Alter mit Optimismus zu lesen und auch mitzuerleben. Cool 🙂 … und klar: Danke für’s Teilen 😉
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