Liebe Zahnpflegende,

ich habe eine erstaunliche Entdeckung gemacht, die mir wieder einmal zeigt, dass die wahren großen Wunder eher im Kleinen verborgen sind. Um darüber schlüssig zu berichten, muss ich allerdings etwas ausholen.

Anfang März ist es soweit. Ich bekomme in den Münchner Kunstmuseen endlich den heiß ersehnten Eintrittskarten-Rabatt, den man nur erhält, wenn man sich zügig dem Greisenalter nähert. Ich würde gerne darauf verzichten, aber das macht einen ja auch nicht jünger. Also nimmt man das Zuckerl halt noch mit. Das bittere Zuckerl.

Wieso bitter? Na ja, als ich 60 geworden bin, hat mich das kaum gejuckt. Ich dachte mir, ist doch nicht so schlimm, du hast ja immer noch 40 rüstige Jahre vor dir! Aber nun, ein halbes Jahrzehnt später, schaut es etwas anders aus. Dazu kommt: Als wäre es von langer Hand vom Universum geplant, habe ich als selbständiger Grafiker inzwischen so viel zusätzliche Freizeit, dass ich an einem normalen grauen Werktag einen 300-Seiten-Thriller weglesen kann, ohne dass mich ein (geschäftlicher) Anruf oder eine E-Mail unterbricht. Die einzigen Leute, die sich noch melden, sind arme Seelen, die sich ihren Lebensunterhalt damit verdienen, dass sie (unerwünschte) Angebote machen: für einen günstigeren Telefontarif oder eine Zahnzusatzversicherung für die Zeit, in der einem die Zähne ausfallen werden. Grrr.

Deshalb schreibe ich aktuell auch so viele Blogs — damit ich das Gefühl habe, noch kreativ produktiv zu sein. Auch wenn ich weiß, dass die Welt problemlos auf meine Blogs verzichten kann. Jaja, Gejammere auf höchstem Nivau! Und übrigens, was die 65 betrifft: Es gab mal einen Kriegsfilm mit dem deutschen Titel: „Hunde, wollt’ ihr ewig leben?“

Nochmal zum Senioren-Ticket: Es wird davon ausgegangen, dass ältere Herr- und Damenschaften den Gürtel etwas enger zu schnallen haben, oder? Auch sehr reiche Senioren bekommen ab 65 übrigens Ticket-Rabatt, man fragt ja an der Kasse nicht nach dem Kontostand. Ob sich Frau Merkel auch den Rabatt genehmigt, obwohl sie jetzt durch ihre Biografie bestimmt Millionärin geworden ist (wenn sie es nicht vorher schon war)? Aber wahrscheinlich lässt man die berühmte Ex-Kanzlerin sowieso umsonst in die Kunsthallen dieser Welt. Wer kann das wissen?

Sollte man ab 65 anfangen zu sparen? Saublöde Frage, das kommt halt auf den besagten Kontostand an. Wenn man keinen Lohn mehr bekommt, weil man aus dem Arbeitsleben mehr oder weniger erwünscht herausbugsiert worden ist, muss man sich das überlegen. Wird es reichen oder wird es nicht reichen? Sollte man als winzige Gegenmaßnahme Netflix kündigen? Kann man sich die Hammer Horror-CD mit ausgewählter Gruselmusik aus den 60er und 70er Jahren für 75 Euro (inkl. Versand) aus den Vereinigten Staaten kommen lassen, nur weil sie in Europa nicht mehr erhältlich ist? Oder reicht es völlig, wenn man die Klänge spottbillig über Spotify streamt? 

Nein, das reicht mir nicht! Ich will CDs sammeln, bis ich sie wegen Altersschwäche nicht mehr in den Player schieben kann. Ich liebe CDs. Noch viel viel mehr als Vinyl-Platten, die ich nur noch wegen den schönen Covers sammle. Aber nicht auflege. Eingefleischte Schallplattenhörer bekommen ja wohligste Gefühle, wenn sie vernehmen, wie sich die Plattennadel senkt und geräuschvoll in die Rille zwängt. Ich kriege davon Beklemmungen, weil ich weiß, dass die darauffolgenden Klänge mit Geknister und Geknaster durchsetzt sein könnten. DESHALB liebe ich CDs. Der pure reine Klang, da regen sich in mir Säfte der Lust (man verzeihe mir bitte diese Vulgaritäten).

Neuerdings höre ich wieder wahnsinnig gerne intensiv Musik. Ich habe nämlich eine so einfache Entdeckung gemacht, dass ich fast verrückt dabei werde, dass diese Entdeckung erst jetzt gekommen ist — wo ich doch schon fast im Ticket-Rabatt-Alter bin. Also: Ich hatte mir vor über 20 Jahren zwei Lautsprecher-Boxen von der Firma „Vienna Acoustics“ geleistet. Echte österreichische Wertarbeit. Diese Boxen kosteten mich damals ein paar Tausend Euronen, aber dafür klingen sie auch ganz fantastisch. Und: Die beiden Viennas verrichten immer noch ganz hervorragend ihre klanglichen Dienste.

Aber aufgepasst, jetzt kommt’s! Ich hatte die beiden hohen Klangtürme immer am anderen Ende des Wohnzimmers stehen, rechts und links von der Glotze. Ich war also von den Lautsprechern ungefähr dreieinhalb Meter entfernt. So habe ich Musik gehört. Gustav Mahler, King Crimson, Elvis Costello, Igor Strawinsky, Danny Elfman und Katja Ebstein. Das war normal. Für einen intensiveren Klanggenuss setzte ich dagegen meinen sehr hochwertigen Beyer Dynamic-Kopfhörer auf. Grandioso!

Aber neuerdings fühle ich mich mit dem Kopfhörer irgendwie beengt, abgeschottet von der Welt. Ich will Luft um die Ohren haben, keine warmen Polster sollen die zarten Muschelchen berühren. Was tat ich also? Ich schob die beiden Lautsprechertürme her zu mir, ganz nahe her zu mir — und auch seitlich zu mir. Den einen Turm mit 80 cm Abstand seitlich vom linken Ohr, den anderen Turm genauso nah am rechten Ohr. Und dann: rein die CD und auf mittlere Lautstärke hochgedreht.

WOWWOWWOW! Das ist der totale Flash! Das ist noch besser als Kopfhörer, das ist das Ultra-Klangerlebnis. Freilich muss man die Möglichkeit haben, die Musik ungestört laut hören zu dürfen. Wenn die Nachbarn mit rotem Gesicht gegen den vermeintlichen Lärm anklopfen, dann bringt das nichts außer Ärger. Zum Glück habe ich keine solchen Nachbarn. Und ich mache es ja auch nicht immer laut. Denn soo nah, wie die Lautsprecherchen nun an mir dran sind, reicht auch leise. Immer noch geil. Geilomatic!

Ich entdecke seit dieser Umstellung meine musikalischen Schätze wieder ganz neu. STEREO in seiner aufregendsten Wirkung. Man ist mitten in der Musik drin. Da kann mir 7.1 Dolby Super-Atmos gestohlen bleiben — die beiden nahen Viennas bringen mich mehr auf Touren, als wenn ich in einem hervorragend beschallten Kinosaal sitze. Ich bin sehr glücklich, dass ich das noch erleben darf. Gestern hörte ich (recht laut!) den James Bond-Soundtrack „No Time To Die“ vom Zimmer Hansi. Mich hat es weggeblasen. Die pure Ekstase war das.

Aber was hat das mit der Ajona-Zahnpasta zu tun, bitteschön? Naja! Da reicht eine von diesen (wirklich kleinen) roten Tuben 50 mal so lang wie eine große Blendamed! Schaut euch dieses Blogbild an, mit der fast völlig ausgequetschten roten Ajona. Ich bringe auch da immer noch mehrere linsengroße Portionen heraus. Und der gute Dr. Liebe sagt ja seit 1952: Eine Linsenmenge Ajona-Zahncreme reicht für eine Zahnputzaktion völlig aus. Beugt Karies, Zahnfleischentzündungen und Mundgeruch vor. Inzwischen schmeckt mir die Ajona sogar. Gut schmecken und dabei sparen.

Und wisst ihr was? Für das gesparte Zahnpasta-Geld lasse ich mir nun die weiter oben erwähnte rare Dracula-Soundtrack-CD von der Firma „Monsters in Motion“ aus Placentia, Kalifornien kommen. Eine Versandbestätigung habe ich bereits erhalten, die Firma ist also noch nicht den Flammen zum Opfer gefallen. Gott sei Dank. Das Leben geht weiter.

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