
Liebe Leserinnen und Leser,
und weiter geht’s mit Mike Paulis Bericht aus dem Reich der Hunde (siehe auch den vorherigen Blog Nr. 343):
Nach der befellten Dame Gróa kamen ein paar Jahre später weitere dieser besonderen Haustiere in unsere Familie.
Unser zweiter Lundehund sollte mit dem Buchstaben „F“ beginnen (siehe auch das Prinzip der Namensgebung in Blog Nr. 343). Gängig bei den nordischen Namen ist ja Freya (eine Göttin natürlich, mehr noch: Herrin der Liebe, Ehe, Fruchtbarkeit und des Frühlings). Die Züchterin kommt aus Dijon (Frankreich), nahm sich eine norwegische Landkarte und fand den „Fanne-Fjord“ (Fannefjorden, Provinz Møre og Romsdal, Norwegen). Fanne Fleurs du Royaume de Sibir. Zergeht einem doch auf der Zunge. Fanne war dazu noch geboren am 10.10.10 – für mich als Mathe- und Pen & Paper-Fan ein Glückswurf.
Gleich weiter zu Lundehund Nr. 3: Stellt euch vor, ihr habt ein Hundemädchen, dessen Name mit Y beginnen und zudem noch nordischen Ursprungs sein soll. Was liegt hier näher als Yggdrasil? Es ist der Lebensbaum, die Weltenesche der nordischen Mythologie. Ich stellte mir vor, durch Flora und Fauna zu streifen, nach meinem Hund rufend, in der Hoffnung, es hört mich niemand. Nun, die Entscheidung fiel daher auf den Namen Ylva. Ylva, die schwedische, weibliche Form des Ulf. Ulf = der Wolf, Ylva = die Wölfin. DAS gefiel mir als Wolfsfan doch sehr gut.
Ylva holten wir aus Sandefjord in Norwegen mit Flug über Shiphol / Amsterdam nach Frankfurt. War ein schöner Tagesausflug. Sandefjord hat einen Flughafen wie eine Würstchenbude. Eine große Wiese, eine Bank, ein Edeka-Markt. Die Flugabfertigung macht der Edeka-Verkäufer, Security ebenso. Ylva war in einer kleinen blauen Transportkiste untergebracht. Wieder daheim: Gróa und Fanne saßen vor dem Kistchen voller Erwartung und schnupperten eifrig. Aufgemacht. Ylva springt raus und knurrt die beiden erstmal an. Mit ihren zwölf Wochen war sie sehr selbstbewusst.
Der Lundehund ist ein ausgesprochenes Rudeltier. Zu dritt fühlten sich die Lundehund-Fellnasen wirklich wohl. Es ist eine Rasse, bei der man auch im Rudel gut beobachten kann, wie unterschiedlich sie sind und wie durchaus selbstständig diese Hunde handeln können. Die Rollenverteilung erinnert an ein Wolfsrudel.
Die Platte zum Soundtrack der Lundehunde wurde Zinkls „Rebirth“ mit Robert Gozon. Hier lebt der Progressiv-Rock. Tolle Songs, ich liebe die Texte. Beides (Musik und Texte) erinnert mich an meine Lieblingsbands wie King Crimson, Gentle Giant und vor allem Van der Graaf Generator. Robert Gozon lernte ich persönlich vor mehr als zehn Jahren kennen, seine stimmliche Ähnlichkeit mit Peter Hammill war und ist unverkennbar. Ich erinnere mich in einem Café in Rüsselsheim sitzend, Robert mit Band am anderen Tisch und ich sagte, etwas zu laut: „Whatever Robert would have said?“ Er lachte mir zu, und wir unterhielten uns lange. („Whatever Robert would have said“ ist das vierte Stück des Van der Graaf Generator-Albums „The least we can do ist wave to each other“).
Gróa blieb immer der wartende und SEHR aufmerksame Hund. Ylvas Wesen entwickelte sich zu einer Art Draufgänger (im Rahmen des Wesens eines Lundehunds). Wäre sie ein Mensch, ginge sie als Dieb durch. Tatort: Kühlschrank. Motiv: permanenter Hunger.
Und Fanne? Bis heute ist sie anscheinend untergeordnet. Ich verwendet ungern diese Alpha-, Beta-Ränge, da bin ich mir unsicher, ob dies wirklich so geordnet ist unter den Hunden; das wird mir zu „menschlich“ verwendet“. Fanne ist immer auf Futtersuche, permanent, aber sie würde keinem Tier (auch nicht unserer Katze) das Futter wegnehmen oder ihr eigenes verteidigen, sie gibt ab und kann verzichten. Aber: Wenn die Autotür offen steht, ihr der Besuch oder Spaziergang zu lange dauert, dann springt Fanne Fleurs du Royaume de Sibir (soviel Zeit muss sein) auf den Fahrersitz, legt die Vorderpfoten auf den Lenker und deutet dem Mensch an: Fahr mich jetzt endlich nach Hause (dies wurde mit Fotos belegt). Stur halt.
Die „Queen of Light“ vom Album „Rebirth“ will mir dazu einfallen, jedoch „she has blown my mind“, wie es die Textzeile in diesem Song sagt, das schreibe ich Frida zu.
Wer ist Frida? Tja, a house is not a home without a lot of dogs …
Eines Tages kam Beate an und sagte, irgendwie vollkommen selbstverständlich: „Du, ich hab mir da einen Wurf Jack Russell-Mix bei einem Jäger angeschaut, da kam eine gleich auf mich zu.“ Frida, ein kleiner schwarz-weißer Jack Russell mit bayerischem Gebirgsschweißhund vermixter, frecher Kerl trat in unser Leben und wurde zum Lebensmittelpunkt.
Die Lundis (nie mit dem Montag verwechseln) und ich waren verwirrt. Da brachte jemand unsere Wolfsrudel-Atmosphäre aber komplett durcheinander. Bisher klappte es prima, dass das Rudel andere Tiere mied wie der Teufel das Weihwasser. Nun kam Konfrontation auf. Frida, ich nannte sie heimlich John Rambo, war selbstbewusst (sie wuchs im Zwinger mit 17 Welpen auf), ab Tag 1 sauber (beim Lundehund kann man da nie wissen, wann und wo er / sie mal „müssen muss“) und verspielt wie sonst was. Kein Spielzeug, kein Kauteil war sicher vor ihr. Endlich wusste ich, wofür ich all das Hundespielzeug all die Jahre über gekauft hatte. Ich wusste wahrscheinlich bereits vor Jahren, dass Frida kommen wird.
Frida wurde mein Lebensbegleiter, mein Seelenhund. Sie konnte mich lesen und ich sie. Sie war keine halbe Katze, die über den Zaun kletterte. Nein, ich hatte einen ganz normalen, etwas verrückten, Hund. In elf Jahren gab es nur einen Tierarztbesuch. Und daran war ich schuld: Stock falsch geworfen, Hund war zu schnell, Stock und Hund waren „verbunden“. Unglückselig. Da Frida auch ihr eigener Tierarzt war, zog sie das Stöckchen selbst, und da musste dann mal doch ein echter Doktor Vet. ran. So wild ich Frida beschreibe, so gut hörte sie aber auch und nahm gerne Tricks an, die wir gemeinsam übten. Es dauerte nie lange, denn sie wollte lernen. Man spürte förmlich, wie sie die Lehre aufsog. Die Leckerlies dafür waren unerheblich. „Gib mir einen Stock, Mensch, und ich renn lieber noch ’ne Runde um den Block.“
Eines Abends im Mai feierten wir im großen Kreis die Geburt meines ersten Enkelchens. Die Gäste gingen, ich rückte mir den Schaukelstuhl an meine Lieblingsstelle im Garten, goss mir einen letzten Tropfen Whisky meines heißgeliebten Chieftain’s PortPipe 1980 ein, immerhin 28 Jahre hatte das heilige Wasser im Fass gewartet, bis es in Fläschlein abgefüllt wurde. Musik an, im Dunkeln höre ich gerne Zinkls „Dance Music for Insects“. Denn die Insekten tanzen ja wirklich, und die Platte kann man so schön laut hören. Ach, eine Zigarre wäre noch schön. Zigarre geholt, wo ist der Cutter wieder hin? Gesucht, etwas länger, gefunden. Ich gehe nach draußen, ihr erinnert Euch: Schaukelstuhl und Whisky standen bereit. Da war etwas anders.
Eine Art Spuckpropfen war in meinem Whiskyglas, der defintiv KEINE 28 Jahre alt war. „Ylva, komm her!“. Etwas schärferer Ton. Maul geöffnet, gerochen: Whisky. Eindeutig kamen aus dem kleinen Maul von Ylva Alkoholnoten. Das habe ich defintiv noch nie und nie mehr erlebt. Aber es ging ihr gut dabei.
Apropos Whisky. Ich begann, eine weitere Leidenschaft auszubauen, die ich auch mit euch demnächst hier teilen möchte: Schottischer Whisky. Dabei gehe ich dann etwas näher auf Tonis Alben „Kinder der Nacht“ und „The Temptations of Saint Anthony“ ein. Mehr dazu bald online in meinem dritten Gastbeitrag auf Zinkls Blog-Sammlung.
Ach ja, noch ein Wort zum Blogbild. Frida (rechts außen) stammt natürlich nicht aus Norwegen, sondern ist ein Mix aus England und Bayern. Aber das war dem Grafik-Designer Zinkl zu kompliziert mit mehreren Flaggen. Seien wir da mal großzügig!
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