Liebe Leserinnen und Leser,

die beiden Lundehund-Blogs Nr. 343 und Nr. 344 von Mike Pauli hat mein Freund Hans Schlicht mit großem Interesse gelesen, und weil ihm Katzen sympathisch sind, wurde er dazu inspiriert, ebenfalls einen (nicht ganz ernst gemeinten) Gastbeitrag zu verfassen. Richtig: über Katzen!

Ich war nie ein Mensch für große Beziehungsdramen. Deshalb liebe ich Katzen. Sie sind die Pragmatiker unter den Haustieren. Bedingungslose hündische Unterwerfung ist ihnen fremd, ja verhasst. Aber wenn sie da sind, sind sie da und geben dir, was du brauchst. Es gibt kaum etwas Beruhigenderes, als dieses tiefe gleichmäßige Schnurren, das sich wie ein warmer Klangteppich durch den Raum zieht, während draußen alles laut und hektisch ist und der Hund des Nachbarn winselt, weil er nicht mehr reingelassen wird. Katzen tragen ihre Würde wie ein unsichtbares Gewand – leise, geschmeidig, selbstbestimmt.

Mr Magoo zum Beispiel ist ein tiefschwarzer Kater mit diesem unerschütterlichen Blick, als hätte er die Welt längst durchschaut. Er kommt und geht, wann er will – kein Bitten, kein Rufen hält ihn auf. Einmal war er fünf Tage verschwunden, und ich malte mir schon die schlimmsten Szenarien aus. Am sechsten Abend saß er plötzlich wieder vor der Tür, geschniegelt und satt, als käme er gerade von einer wichtigen Konferenz. Er streifte an mir vorbei, warf mir einen kurzen Blick zu, der eindeutig sagte: „Reg dich nicht auf, ich hatte alles im Griff.“ Magoo ist wie eine komplexe Progrock-Komposition – lange ruhig, fast minimalistisch, und dann plötzlich ein unerwarteter Einsatz, kraftvoll und souverän, als hätte gerade eine dunkle Basslinie von King Crimson den Raum betreten.

Lucy, dreifarbig und von betörender Schönheit, ist das genaue Gegenteil. Kapriziös ist noch freundlich formuliert. Sie entscheidet täglich neu, ob ich ihrer Aufmerksamkeit würdig bin. Einmal sprang sie schnurrend auf meinen Schoß, schmiegte sich an und ich dachte: „Heute ist mein Glückstag!“ Sekunden später biss sie mir sanft, aber bestimmt in den Finger – offenbar hatte ich den falschen Moment erwischt, um sie zu streicheln. Lucy ist wie ein verspieltes, verschachteltes Stück von Genesis: harmonisch, fast lieblich – und dann ein überraschender Taktwechsel, der alles auf den Kopf stellt. A flower? Man lernt schnell, bei ihr genau hinzuhören.

Und dann ist da Schnurri, meine klassische Schmusekatze. Graugetigert, weich wie ein Winterpullover und mit einem Schnurren, das selbst den schlechtesten Tag reparieren kann. Sie hat die Angewohnheit, sich morgens punktgenau auf meine Brust zu legen, genau dann, wenn ich eigentlich aufstehen müsste. Einmal blieb ich eine halbe Stunde regungslos liegen, nur um sie nicht zu stören – und kam deshalb zu spät zu einem Termin. Sie sah mich dabei mit halb geschlossenen Augen an, als wüsste sie genau, dass sie gewonnen hatte. Ihr Schnurren klingt wie eine ruhige, sphärische Passage von Pink Floyd: getragen, warm, beinahe meditativ.

Jede dieser drei Katzen bringt ihre eigene Melodie ins Haus. Magoo mit seiner dunklen Coolness, Lucy mit ihren überraschenden Wendungen und Schnurri mit ihrem weichen Dauerklang. Zusammen sind sie wie ein kleines, eigenwilliges Trio – kompliziert, liebevoll, manchmal chaotisch, aber immer voller Charakter. Und während draußen die Welt lärmt und der Köter des Nachbarn seinen Gangsta-Rap kläfft, spielen sie drinnen für mich ihre ganz eigene, wunderbare Musik.


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