Liebe Leserinnen und Leser,

weil der Herr Zinkl akuell das Bedürfnis hat, sich jeden Tag drei Stunden im Fitness-Studio und im Swimming-Pool aufzuhalten (ein klein wenig wie Arnold werden), hat er keine Zeit mehr für geistreiche Blogs. Nach den körperlichen Anstrengungen reicht es bei ihm außerdem nur noch für ein Gläschen mit einer goldgelben Flüssigkeit. Da passt es doch ganz hervorragend, dass der liebe Blog-Kollege Herr Pauli etwas mehr über dieses feine Getränk zu berichten weiß. Here we go!

Der Whisky. Er begleitet mich seit nunmehr 2002, also fast 25 Jahre.

Da ich mich bei diesem Thema in den ersten 20 Jahren vordergründig mit Schottland und Irland beschäftigte, beginnen wir mal mit ein bisschen Historie, der Schreibweise und vor allem mit seinem eigentlichen Namen: Uisge-beatha (deutsch: Wasser des Lebens). Die Aussprache fällt mir bis heute schwer, leider bei (nahezu) allen gälischen Worten, die sehr oft fallen, da wir auf der Reise bis in das 18. Jahrhundert zurückgehen werden, im Einzelfall sogar in das 13. Jahrhundert.

Wichtig ist vor allem eines: Ohne die Reblaus hätten wir alle bis heute nicht in die Whisky-Leidenschaft verfallen können. Die Reblaus hat uns gerettet. Das war leider 1860 gar nicht lustig, da der Befall in den französischen Weinbergen nahezu 40% der Weinberge vernichtet hat. Die Reblausplage (Phylloxera vastatrix) begann ca. 1863 und dauerte bis ca 1890 an. Die Weinproduktion in Frankreich sank drastisch von rd. 85 Millionen Hekotliter (1875) auf rd. 25 Million Hektoliter (1880).

Und was hat die Reblaus mit unserem Whisky zu tun? Nun, die Briten waren dem französischen Wein und seinen stärkeren Produkten gegenüber nicht abgeneigt. Branntwein (zu dieser Zeit gab es schon seit mehr als 400 Jahren Armagnac) war sehr beliebt. Schließlich griff man auf die Herstellung im eigenen Land zurück.

In Schottland wird Whisky (legal) hergestellt seit 1763 (oder 1775) bei Glenturret in den schottischen Highlands. Übrigens die Destille, die ihren Kater Towser ins Guiness Buch der Rekorde brachte, da er in seinen 24 Jahren (angeblich) 28.899 Mäuse gefangen hatte.

Kilbegan im Herzen Irlands erhielt bereits 1757 die Lizenz zu brennen. Bei der nordirischen Destillerie Bushmills gehen Aufzeichnungen zurück bis in das Jahr 1279. Die Lizenz zum Brennen erhielt Bushmills im Jahr 1608.

Whisky sollte sehr bald den französischen Branntwein ablösen – es gab einen Whisky-Boom. Alleine in Irland (dort schreibt man Whiskey mit einem „e“, um ein Unterscheidungsmerkmal zu Schottland zu haben) gab es bis zu 2.000 Whiskey-Brennereien im 19. Jahrhundert. Bis vor ca. 20 Jahren waren es auf der grünen Insel dann noch 3 Destillen, die betrieben wurden (Bushmills 1608, Midleton 1825 (bzw. neu erbaut 1975) und Cooley (1987).

Und hier beginnt meine erste Whiskey-Erfahrung. Mit irischem Lebenswasser im Jahr 2002, als mich ein Freund (der mein Schwager werden sollte, was er noch nicht wusste, ich aber hoffte) in einen Irish-Pub schleppte (übrigens bis heute der einzige Pub, bei dem ich auf meinem Burger „so wenig Majo, wie möglich“, erhielt). Das Flair, die Atmosphäre gefiel mir. Bereits zwei Monate nach diesem Besuch hatte ich das Thema Whisky „aufgesogen“ und träumte von Abenden mit Irish-Folk und … Whisky. Und ich sollte genau dies 16 Jahre später veranstalten.

Wie probiert man Whiskey? Mein Freund bestellte für uns eine Runde Jameson im Irish-Pub. Erstmal ist die Zunge irritiert, es scheint etwas zu explodieren. Die Nase ist verwirrt. Und dann wird es weich, lecker und warm im Mund, im Hals, im ganzen Körper.

Aber der Reihe nach: Whisky oder auch Whiskey sollte man zuerst mit der Nase erriechen. Und zwar, lacht nicht, mit jedem Nasenloch einzeln, also abwechselnd. Dann nippt man einen Mini-Schluck. Den lässt man kurz auf der Zunge. Langsam schlucken. Achtung: Jetzt kommen mindest 40% die Speiseröhre hinunter. Wieder riechen: Jetzt riecht euer Whisky in der Regel anders, als vor dem Probieren. Erneut ein kleiner Schluck …

Welcher Whisk(e)y der Richtige ist, das sagt Euch nicht das Etikett, die Flaschenform, der Destillenname, sondern alleine eure Nase und der Gaumen. Es ist ein Getränk für die Sinne.

Da ich jemand bin, der schnell Entscheidungen trifft und damals in eine neue Lebenssituation rutschte, machte ich das neue Hobby im Freundeskreis schnell publik. Es gab Whisky-Tastings in meinem neuen Zuhause. Ich besuchte Whisky-Messen, und vor allem: Unmittelbar neben dem tollen Irish-Pub befand sich ein Whisky-Laden. Ein ganzes Ladengeschäft randvoll mit meinem neuen Hobby. DAS gefiel mir.

Es dauerte nur wenige Jahre, bis ich selbst hinter der Ladentheke des gleichen Ladens, der den Besitzer wechselte, stand. Die neuen Besitzer waren sehr sympathische Leute, und ich freundete mich schnell an. Mir gefiel das Geschäft, aber ich wollte mich einbringen, denn mit dem Verkauf hatten es die Jungs nicht so sehr. Auch das Warensortiment war mir zu einseitig. Viel Islay-Whisky stand da, viel Ardbeg und Laphroaig. Ich mag das ja bis heute extrem gerne, wenn der Torf und der Rauch dominiert. Bei Laphroaig hab ich ja so eine bestimmte Assoziation nach verbranntem Krankenhaus mit Mullbinde und Blutnoten. Ich mag es einfach gerne. Nur, die Kundschaft braucht auch eine gewisse Abwechslung.

Und mit welcher Spirituose bekommt man mehr Abwechslung als mit Whisky? Es gibt Bourbon-, Sherry-, Port- und Wein-Full Maturations oder auch -Finishes (Full Maturation bedeutet: Der Whisky befand sich über die gesamte Zeit der Lagerung in einem Bourbon-Fass. Finish bedeutet: Der Whisky befand sich erst in einem Bourbon-Fass und wurde danach umgelagert in ein eigenes Fass). Dazu kommen die Eigenarten der schottischen Whiskyregionen: Speyside im Osten, Highlands quasi quer übers Land von Loch Lomond im Süden (Alexandria) bis nach Thurso. Die Lowlands im Süden und natürlich die Inseln im Westen sind nicht zu vergessen.

Der Spaß war groß, und der Deal  war, dass ich dort nur ohne Bezahlung arbeite. Es ist ja einfach nur mein Hobby. Als Dank wurde ich auf die Whisky-Insel Islay eingeladen, und wir fuhren mit der großartigen Lady of the Isle in ihrem Kleinbus zu allen Destillen.

Im Laden lernte ich zunächst als Kunde meinen Freund Jürgen kennen. Wir arbeiteten recht schnell dort zusammen. Es war eine super Ergänzung, ich erzählte Stories, die nicht immer nur der Wahrheit entsprachen, aber lustig waren, und Jürgen bot die entsprechenden Whiskys nach und nach der Kundschaft an. Bald war der kleine Whiskyladen, der in einem baufälligen Haus beheimatet war, unser zweites Zuhause. Wir nannten es das zweite Wohnzimmer.

Weiter ging es 2017, als der Laden schloss und ich kurzentschlossen zu meiner Frau sagte: „Beate, ich mach’ mich selbstständig“. Alles nur nicht das, meinte sie, aber es war auch nur als eine Nebentätigkeit gemeint, die mich bis heute begleitet. Mein Ziel: Bring den Leuten den Whisky näher. Es zählt nicht die Verkaufsabsicht, es zählt der Spaß an der Spirituose. Dazu gehört auch der Hinweis, dass man Whisky (wie jeglichen Alkohol) in Maßen genießen soll und das der übermäßige Genuss kein Genuss mehr ist.

Mein Tipp heute noch: kein Whisky-Tasting mit mehr als 6 bis 7 Whiskys mitmachen. Immer kleine, leere Samplefläschchen dabei haben, falls man sich sagt „es wird zu viel, ich fülle es mir lieber ab für morgen“, und vor allem: Kauf keine Flasche bei einer Veranstaltung, wenn Du Dir nicht sicher bist, ob dies wirklich die richtige Wahl ist.

Mein Negativ-Beispiel war ein Besuch der Whisky-Messe Limburg, eine der ganz großen Messen in Deutschland, im Jahr 2015. Seit zwei Jahren durfte ich im Whisky-Lädchen arbeiten, und ich freute mich auf die Messe und die vielen Probierstände. Mittlerweile kannte ich ja auch einige der Händler, die dort ihre unabhängigen Abfüllungen anboten. Man redet, man probiert, redet und probiert, und irgendwann sind die Geschmacksnerven „platt“. Alles, was ich an diesem Tag kaufte, mochte ich im Nachgang wirklich gar nicht mehr. Meine Whisky-Freunde konnten das nach einer Probe bestätigen. Somit war mein Vorsatz, den Kunden nie zu überfordern, sondern hier gilt: „Weniger ist mehr“.

Mein Positiv-Beispiel: Die gleiche Whisky-Messe in Limburg im Jahr 2018. Ich genoss nur zwei Whiskys, diese aber mit Bedacht und Geduld (einer davon war ein Glen Garioch von 1952). Vor der Messe, es war ein wunderschöner Sonntag-Nachmittag, spielte eine Band „Paddy goes to Holyhead“. Ich trank ein Guiness, das passt zu Irish Folk. Der Sänger sang „Paddy’s Lamentation“, eins meiner Lieblingslieder überhaupt,  und ich sagte zu meinem Freund Jürgen: „Du, ich geh’ da mal rüber, ich frag ihn mal, ob er in meinem Garten spielt. Wir machen jetzt Whisky-Tastings mit Live-Musik“. Jürgen schüttelte den Kopf, ich sprach mit Paddy, dem Kopf der Band, und er sagte mir zu, dass er mich besucht und sich die Location anschaut.

Dies war der Grundstein für das, was ich mir wünschte: Live-Tastings mit Irish (oder Scottish) Folk. Paddy ist ein Vollblut-Musiker und bringt seine Songs unfassbar sympathisch und authentisch fürs Publikum rüber. Wir verstanden uns schnell, wurden handelseinig, und am 27.9.2018 fand das erste Event in meinem 80 Quadratmeter großen Garten mit 118 Gästen statt.

Dies haben wir bis heute beibehalten. Selbst während dem Lockdown 2020 waren wir aktiv mit Online-Tastings. Ich brauchte drei Tage (14.3.2020 bis 17.3.2020) und war dann startbereit, um mit Paddy live zu gehen. Die Gäste bekamen ihre Whiskyproben per Post oder holten sie kontaktfrei bei mir ab. Danach traf man sich online bei Skype. Paddy erzählte Geschichten und sang seine Songs. Ich moderierte zu den Whiskys und wir gestalteten kurzweilige und lustige Abende. Zu dieser Zeit des Lockdowns durfte nur eine „fremde“ Person zu Besuch je Haushalt kommen. Die Serie hieß „Whisky on a Wednesday“, fand natürlich Mittwochs statt und exisitiert auch heute, nach sechs Jahren, immer noch erfolgreich, nur das Medium Skype mussten wir aus Verlustgründen wechseln in Zoom.

Abschließend möchte ich Euch einen Spruch von W.C. Fields (US-Schauspieler und Komiker; 1880 – 1946) mitgeben: Trage immer eine kleine Flasche Whisky bei dir, für den Fall eines Schlangenbisses, und trage immer eine kleine Schlange bei Dir.


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