
Liebe Leserinnen und Leser,
vor einiger Zeit nahm ich mir vor, narrische Lieder in bayerischer Mundart zu dichten und der Anlass dafür war folgender:
Als ich voriges Jahr im Sommer mit meinem lieben Freund Hans eine fröhliche Radltour am Chiemsee unternahm, fuhren wir auch durch ein kleines touristisch belebtes Örtchen am Nordufer. Ich mit meinem geliebten E-Bike, der Hansi mit seinem völlig normalen Rad (er ist ja auch ein paar Jahre jünger und will seine Wadeln noch strapazieren). Da kam ein älteres Ehepaar an uns vorbeispaziert und der Mann sah mich mit meinem Rad und murmelte abfällig (und für uns deutlich hörbar) in zünftigem Bayerisch in seinen Graubart:
»Do dearns oiweiso, ois dadns radln! Dabei fahr’n doch de von ganz vo alloa!«
Diese Bemerkung fand ich so großartig, dass ich mir das sofort notiert habe. Hans meinte, das wäre doch ein starker Stoff für ein Lied und wir fingen sogleich an zu spinnen. Auf jeden Fall habe ich in den nächsten Monaten daraus tatsächlich ein Lied gemacht und noch 8 weitere dazu. Allesamt mit bayerischen Texten, die auf sehr reduzierte, skurril-lustige und teilweise dadaistische Art und Weise Menschliches behandeln.
Freilich war es dabei auch meine Ambition, Nachdenkliches und Weises einzupflegen — in meinem Alter ist man ja bereits partiell nachdenklich und weise und wenn man sich die aktuellen Zustände auf dieser unserer Menschenwelt anschaut, kann einem die Fröhlichkeit durchaus im Halse stecken bleiben.
Bei diesen Liedern habe ich teilweise mit ungeraden Rhythmen experimentiert. Also nicht immer den üblichen Viervierteltakt verwendet, sondern auch mal einen Fünf-Achtel- und einen Sieben-Achtel-Rhythmus zugrunde gelegt. Das Lied „Miasanzwoa“ hat einen besonders schrägen Aufbau, weil es mit einer merkwürdigen Abfolge von Zweier- und Dreiertakten daherkommt. Die Inspiration dafür kam von dem „Zwiefachen“ aus dem Theaterstück „Das Bauern-Epos“, welches nun immerhin schon fast zehn Jahre auf dem Buckel hat. Damals war ich der „oide Bauer“ und hatte ein legendäres Duett mit dem Schmid Sepp als „Jager“ (genau: bayerisch, ohne „ä“ drin). Der findige Komponist Michael Raab hatte sich das Stück ausgedacht und ich habe mir erlaubt, diesen verrückten Rhythmus neu und frei zu interpretieren.
Ganz allerliebst: Nun kann man sich diese frischgebackenen Lieder anhören! Man kann sie auf allen bekannten Streamingportalen herbeirufen. Wer das tun möchte, hier beispielsweise der Link zu Spotify:
In dem Lied „Duadadesnedo“ ist übrigens auch der Hans mit von der Partie. Das freut mich ganz besonders, weil er an dem Text nicht ganz unbeteiligt gewesen ist. Und in dem Lied „Schauaschof“ bringt sich meine herzallerliebste Alexandra zu Gehör, neben einer großen Herde von Schafen, die im Englischen Garten grasten. Einen herzlichen Dank an den Hansi, an meine Liebste — und an die Schafe.
Außerdem: Das Wasserplätschern in dem Lied „Brünnlein“ stammt tatsächlich aus der berühmten Wallfahrtsbasilika Maria Brünnlein in Wemding, welche ich mit Alexandra besucht habe. Ich habe das Brünnlein in jener Kirche mit dem Smartphone aufgenommen und bereue diese unheilige Tat nicht im Geringsten. Ja mei, alles wegen der Kunst. Gott sieht es mit Wohlgefallen.
Nun, ich freue mich, wenn ihr Lust habt, euch diese äußerst merkwürdige Form von bayerischer Volksmusik zu Gemüte zu führen. Und mir auch zu berichten, was es in euch für zwiespältige Gefühle hervorruft, wenn ihr vom argen Tatzelwurm hört.
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