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Nathalie:
»Kannst du nicht mal ein schönes Lied für mich machen? Eines, das ich auch gerne singe?«

Zinkl:
»Spinnst du? Ich mache doch NUR schöne Lieder.«

Nathalie:
»Naja, was du unter schön verstehst. Progzeug.  7/8-tel Klimbim. Nervig und schräg. Davon bekomme ich Migräne.«

Zinkl:
»Kein Mensch zwingt dich, meine Musik zu singen. Doofe Nuss.«

Nathalie:
»Da brauchst du nicht gleich beleidigt zu sein. Ich mein ja nur. Mach doch mal sowas wie Steely Dan. Das würde ich gerne singen.«

Zinkl:
»STEELY DAN? Ja geht’s noch?«

Nathalie:
»Wieso regst du dich da auf?«

Zinkl:
»Falls es dir nicht bekannt ist. Steely Dan ist der Heilige Gral. Donald Fagen und Walter Becker kommen gleich nach Gott und Jesus.«

Nathalie:
»Wieso? Ist Walter der Sohn von Donald?«

Zinkl:
»Nein! Natürlich nicht! Ich meinte das nur von der Bedeutung her. Aber ja, es ist ein blöder Vergleich. Die beiden sind ein ebenbürtiges Team. So wie Stan und Olli. Nein, der Vergleich ist auch doof. Ach, ist ja auch egal.«

Nathalie:
»Und? Machst du mir nun so ein Lied?«

Zinkl:
»Wenn es nach Steely Dan klingen soll, müsste es Donald singen. Und nicht du.«

Nathalie:
»Magst du meine Stimme nicht mehr?«

Zinkl:
»Natürlich mag ich sie. Du singst toll.«

Nathalie:
»Na dann gib dir mal Mühe und komponiere einen lässigen funky Popsong für mich.«

Zinkl:
»Ich kann nur Zinklmusik.«

Nathalie:
»Das ist schlimm.«

Zinkl:
»Es ist eine Unverschämtheit, sowas zu sagen. Ich mag rein zufällig sehr gerne, was ich seit Jahrzehnten fabriziere.«

Nathalie:
»Ja, da bist du aber rein zufällig der Einzige.«

Zinkl:
»Das stimmt nicht. Es gibt ungefähr hundert Leute, die meine Stücke gerne hören.«

Nathalie:
»Boah! Einhundert. Ich bekomme gleich einen Orgasmus.«

Zinkl:
»Du blöde Kuh.«

Nathalie:
»Jaja, ich weiß. Du hast eine empfindliche Künstlerseele. Du redest dir ein, dass es dich nicht juckt, dass du brotlose Kunst machst. Aber in Wirklichkeit würdest du gerne damit viel Geld verdienen. So wie Taylor Swift.«

Zinkl:
»Stimmt nicht. Das habe ich gar nicht nötig.«

Nathalie:
»Du hast es in vierzig Jahren nicht mal zu einem Wikipedia-Eintrag gebracht. Hat doch mittlerweile jeder Fuzzy. Es ist ein Trauerspiel mit dir.«

Zinkl:
»Wie frech du bist! Dann schreib du doch was über mich, wenn du meinst, Wikipedia sei von Bedeutung.«

Nathalie:
»Ich kann nicht schreiben. Ich kann nur singen, was du mir in den Mund legst.«

Zinkl:
»Dafür spuckst du aber große Töne, meine Gute.«

Nathalie:
»Machst du mir jetzt ein Lied wie von Steely Dan? Oder wie von Elton John. Oder den Beatles.«

Zinkl:
»Das kann ich nicht. Das sind Genies. Ich will das auch nicht.«

Nathalie:
»Wieso denn? Dann vielleicht was wie von Taylor Swift.«

Zinkl:
»Das will ich erst recht nicht. Davon würde mir auch schlecht werden.«

Nathalie:
»Also dann: sowas wie „Ricki Don’t Lose That Number“ oder „Aja“.«

Zinkl:
»Das ist völlig unmöglich. Das kann keiner außer Donald und Walter. Und leider ist Walter schon vor Jahren verstorben, das ist ganz schrecklich. Außerdem braucht man für ein solch geniales Lied wie „Aja“ Steve Gadd und Wayne Shorter. Die kann ich mir nicht leisten. Und die würden mich auch auslachen. Halt, Wayne nicht, der ist leider auch schon verstorben. Und Steve ist bereits 78. Es ist furchtbar. Wir leben in einer Zeit, in der die Besten das Zeitliche segnen.«

Nathalie:
»Hör doch auf mit dem Gejammer. Und nimm deine Computer-Samples her. Wie immer schon. Das macht doch heutzutage jeder.«

Zinkl:
»Ein Saxophon klingt nur geil, wenn es echt gespielt und aufgenommen wird.«

Nathalie:
»Mein Gott, bist du störrisch. Dann nimm halt einen Synthesizer. Davon hast du doch hundert.«

Zinkl:
»Puh, okay, ich kann es ja mal versuchen. Aber das dauert!«

Nathalie:
»Ach komm, Freddie Mercury hat gesagt, ein Lied kann man an einem Tag komponieren. Da muss man nicht ewig dran herumfrickeln.«

Zinkl:
»Ich bin aber nicht Freddie, verdammtnocheinmal.«

Nathalie:
»Ach, lass gut sein. Dann nimm dir soviel Zeit, wie du brauchst. Es wartet ja eh keine Sau auf das Lied. Nur ich, weil ich endlich was Gescheites zum Singen haben will.«

Zinkl:
»Jajaja, ich habe dich verstanden.«

Nathalie:
»Noch was zum Abschluss: Du weißt schon, dass du mit diesem Interview „fishing for compliments“ betreibst?«

Zinkl:
»Echt? Wieso denn?«

Nathalie:
»Sei nicht so naiv.«

Zinkl:
»Soll ich jetzt alles wieder löschen, was ich mühsam eingetippt habe?«

Nathalie:
»Nein! Ist ja auch egal. Fishing hin, fishing her. Natürlich braucht man sich nicht so wichtig zu nehmen. Aber jeder Musiker nimmt sich wichtig, sonst würde er ja seine Klappe halten bzw. nix mehr schreiben.«

Zinkl:
»Du machst mich fertig, Nathalie.«

Nathalie:
»Los jetzt, aufhören zu jammern! Mach mir ein schönes Lied!«

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