
Liebe Leserinnen und Leser,
es ist schon wieder Weihnachten. Zum 64ten Male. Zumindest für mich. Wobei ich die ersten paar dieser denkwürdigen Veranstaltungen nur marginal mitbekommen habe. Seit ich in den Anfangsjahren meines noch frischen Lebens aber gelernt hatte, dass es bei diesen Festivitäten üblich ist, Geschenke zu erhalten, wurde Weihnachten auch für mich zu einem erfreulichen Ereignis. Die Freude trübte sich irgendwann im Erwachsenenalter, als ich merkte, dass ich selbst auch Geschenke bereitzustellen hatte, für wichtige Persönlichkeiten im Familien- und Freundeskreis.
Ja mei, aber mir wurde schließlich mitgeteilt, dass das Schenken auch Freude machen kann. Etwas Schönes aussuchen, es liebevoll mit Dekorpapier umwickeln, bunt verschnüren und dann erwartungsvoll beobachten, wie sich die Beschenkten jauchzend erfreuen an der überraschenden Gabe. Vor allem, wenn man Kinder oder Enkelkinder hat, ist dieser Vorgang von Bedeutung. Aber wem erzähle ich diese Banalität?
Die Imprägnierung, die man als Kind in einem christlichen, bayerischen Haushalt bekommt, ist so intensiv und nachhaltig, dass alleine schon die Zahl „24“ ausreicht, um den Neurotransmitter Dopamin in großer Menge in den Metabolismus zu werfen. Kommen dann dazu auch noch buntes Glitzerwerk und kleine Figuren fremder Leute aus dem Orient, dann ist es nahezu sicher, dass jungen Menschen kein größeres Glück zuteil werden kann, als jenes Großereignis am Jahresende. Zumindest dem Zinkl und seinen beiden Schwestern ist es damals in den legendären 60er Jahren so ergangen.
Kleine Splitter dieser Imprägnierung sitzen auch heute noch in meinem fast 65-jährigen Gehirn. Da kann ich gar nichts dagegen machen. Restempfindungen für die wundersame Magie eines leuchtenden Lamettabaums, in dessen Spiegelkugeln sich das staunende Kindergesicht wiederfindet. Blaue Legoeisenbahnschienen als Glücksobjekte — auch wenn sie für größere Lok-Touren nie in ausreichender Menge bereitgestellt werden konnten. Und natürlich das geheimnisvoll ausgeleuchtete Kripperl, bei dem die korrekte Aufstellungsreihenfolge von Caspar, Melchior und Balthasar niemals wirklich geklärt werden konnte. In unseren woken Zeiten sollte man den Melchior jedenfalls nicht nach hinten stellen: Nicht dann, wenn man vorhat, sein Kripperl-Panoptikum auf Instagram oder Facebook zu präsentieren. Der Shitstorm könnte fürchterlich sein.
Das Plastikjesulein aus dem Zinkl-Kripperl hat übrigens ein Loch im Rücken und eine Glatze am Hinterkopf (siehe Abbildung). Ich weiß nicht, warum. Vielleicht aus Fertigungsgründen? Mich würde wirklich sehr interessieren, wieviele genau von diesen blondgelockten Jesuleins heutzutage noch im Einsatz sind. Ich bin jedenfalls froh, dass das zinkl’sche wohlauf ist — obwohl es längst hätte verloren gehen können. Es ist ja immerhin nur 28 mm lang! Dieser Gedanke wäre für mich unerträglich: Wenn es plötzlich weg wäre. Man möchte es nicht glauben, aber scheinbar glaube ich doch an den lieben Gott, obwohl ich ständig meinen stählernen Atheismuspanzer mit mir herumschleppe.
Ich möchte diesen Weihnachtsbericht nicht ausufern lassen, sondern ihn nun abschließen mit den besten Wünschen für alle meine lieben Leserinnen und Leser. Es dräut das Jahr 2025. Was wird es uns bringen außer jede Menge Ärger über Politiker, denen es nur darum geht, ihr überdimensionales Ego zu füttern? Ach was, das soll uns nicht belasten. Gesund sollen und wollen wir bleiben! Auch wenn es in den Tentakeln zwickt, im Rücken und im Nacken sticht und die Äuglein nur noch Unscharfes erblicken: Lasst uns froh und munter sein, so wie es ist das Jesulein. Oh weh, diesen Reim hat es jetzt noch gebraucht!
Dies ist mein letzter Blog im Jahre 2024. Passt gut auf euch auf, ihr Lieben! Bussi!
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