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Liebe Leserinnen und Leser,

vor ein paar Tagen, also noch im alten Jahr, hatte ich mir etwas Gehässiges ausgedacht und niedergeschrieben. Ich hatte vor, das Gehässige als ersten 2025-Blog zu veröffentlichen. Dann kam mir Urban Priol dazwischen. Mit seinem Jahresrückblick 2024 hat der Meister über Politisches berichtet, weitaus klüger und pointierter, als ich dazu in der Lage wäre.

Ich habe Urban zufälligerweise Mitte der 80er Jahre persönlich kennengelernt. Nämlich, als die legendäre bayerische Kabarettgruppe „Scharwitzl“ eingeladen worden war, beim renommierten Kabarett-Wettbewerb „Das Scharfrichterbeil“ in Passau mitzumachen. Scharwitzl (Hans Schlicht, Andrea Walter und meine Wenigkeit) haben damals den 2. Platz gemacht, direkt hinter Urban, dem der 1. Preis — natürlich hochverdient — zugesprochen wurde. Urban Priol aus Aschaffenburg war damals als Kabarettist noch völlig unbekannt gewesen. Inzwischen ist er ja eine Institution, nach all den Jahren immer noch ein unglaubliches Energiepaket mit messerscharfer Zunge.

Wie gesagt, Urban hat mir nun ein wenig die Suppe versalzen und ich wollte den Blog schon schreddern. Aber dann dachte ich mir: Was solls, wenn meine kleine Portion Gehässigkeit bereits geschrieben ist, dann auch raus damit. Die wenigen Leute, die es lesen, werden es mir nachsehen.

Es sei. Hier beginnt der offizielle Aufsatz: 

Wenn man in diesen eisigkalten Wintertagen durch die Stadt radeln möchte, sollte man sich warm anziehen. Am besten zwei Daunenjacken übereinander und das „Unter den Helm-Mützerl“ nicht vergessen. Mächtige Handschuhe mit Wärme-Akkus sind ebenfalls empfehlenswert. So ausgestattet, macht die Radelei Freude — zumindest dann, wenn man es schafft, die hemmungslose Plakatiererei zu ignorieren, die aktuell die städtische Landschaft versaut.

Nein, ich meine nicht bunte Konzertankündigungen auf den Litfasssäulen oder die Großplakate von der Telekom und von Barilla. Da ich mein Leben lang mit Grafik-Design für die Werbeindustrie beschäftigt war und gescheit daran verdient habe, habe ich nichts gegen (gut gestaltete) Plakatkunst. Selten ist sie gut gestaltet, aber okay — beim Vorbeiradeln bin ich diesbezüglich milde gestimmt.

Gestern wollte ich mal wieder zu „meinem“ Hagebaumarkt in der Lerchenauer Straße. Auf dem Radlweg dorthin wurde mir ohne Unterlass ins Gehirn geballert: Söder, Lindner, Theiss, Philippa (Sigl-Glöckner), Habeck, Föst, Söder, Lindner, Theiss, Philippa (Sigl-Glöckner), Habeck, Föst, Söder, Lindner, Theiss, Philippa (Sigl-Glöckner) usw.

Meine liebe Freundin und Werbefrau Kiki sagte immer: „Wer nicht wirbt, der stirbt“. Dieser modrige Werbespruch mag ja immer noch zutreffen und die politischen Parteien meinen halt, dass die optische Penetrierung ihrer Platzhirsche in die Gehirne der Passanten unerlässlich dafür ist, dass man ihnen auf den Wahlzetteln Kreuze spendiert. Man „kennt“ die Leute ja teilweise aus dem Fernsehen und inzwischen immer mehr auch aus den Social Media-Plattformen. Und wenn man sich ein wenig mit den Programmen der Parteien beschäftigt, dann weiß man so ungefähr, wofür diese Personen stehen und was sie anrichten wollen, wenn man sie lässt. Ich bin für klare Informationen, jederzeit! Aber wieso müssen mir diese Wichtigtuer (und …tuerinnen: Philippa!) mit ihren lächerlichen Slogans („Deutschland wieder in Ordnung bringen“) an jeder Straßenecke auflauern, im Sinne von: Schau her, ich bin auch noch da!

Wie komme ich dazu, mich hier zu diesem Thema so aufzuregen? Genau: Weil mir eines dieser Plakate besonders ranzig ins Gesicht riecht: das von FDP-Lindner. Ungeachtet dessen, dass Lindner in der letzten Zeit nicht gerade positiv aufgefallen ist im politischen Geschehen, zeigt sich dieser eitle Geck jetzt als hohe Instanz und proklamiert dazu noch fett in FDP-Gelb: „Vater Staat ist nicht Dein Erziehungsberechtiger“. Ein durchaus kompetenter Portraitfotograf hat Lindner schön elitär in Schwarz-Weiß mit dunklem Rollkragenpullover abgelichtet. Als ich diesem Mann bei meiner Stadtradelei ins Antlitz schaute, gruselte es mich dermaßen, dass ich fast vom Rad gefallen wäre. Stimmt: Vater Staat ist nicht unser Erziehungsberechtigter, aber der verlogene „Scientologe“ Lindner ist der letzte, von dem ich das gesagt bekommen will. Da muss ich kotzen.

Vergleichsweise wird mir da beim Söder-Plakat so richtig warm ums Herz. Klar, wer mag schon den Söder? Sein Warschauer Kniefall à la Willy Brandt (aber nur mit einem Knie!) ist ja bereits legendär. Auch sein Social Media-Biss in eine Tafel Dubai-Schokolade zeigt ihn als Mann, dem nichts peinlich genug ist. Und ich finde, wenn Söder nun mit Bart grinst, wirkt er so richtig hämisch. Damit hat er sich keinen Gefallen getan. Aber er ist ja immerhin unser Landesvater! Landesvater — darf man diesen altbackenen Ausdruck überhaupt noch in den Mund nehmen?

Und was ist mit Philippa (Sigl-Glöckner)? Sie ist die einzige auf den Plakaten, die groß mit ihrem Vornamen wirbt. Auch online: philippa.jetzt. Das ist halt ein bisserl mädchenhaft. I woaß ned, ob des wirkt. Immerhin sagt sie noch: „Weil es um unser Geld geht“. Aha, das könnte funzen: Weil ums Geld geht es ja fast immer. Sie ist übrigens Gründungsdirektorin der Denkfabrik Dezernat Zukunft — Institut für Makrofinanzen. Das ist schon was: Denkfabrik Dezernat Zukunft! Mein lieber Schwan! Bei Dezernat muss ich an eine Krimiserie aus den 60er Jahren denken: „Dezernat M“ mit Lee Marvin. Habe ich gerne gesehen, damals. Auf alle Fälle sieht sie sehr nett aus, die Philippa, die hätte ich gerne als Grundschullehrerin gehabt.

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Nun zu Habeck. Ich glaube, die meisten Deutschen hassen ihn. So wie sie die Grünen hassen, weil jene offensichtlich schuld sind an allem. Wem das neu ist, der muss bloß regelmäßig Facebook konsultieren. Dort findet man ohne Ende Kommentare, die bei jeder Sachlage (wie auch immer sie geartet sein mag) eine Schuldzuweisung an die Grünen zum Inhalt hat — auch wenn diese Schuldzuweisung noch so absurd ist.

Ich dagegen mag Habeck — so wie ich ihn einschätze. Er wird bei Reden nie giftig oder gar ausfällig. Er ist kein Bierzelt-Rambo. Er wirkt nicht arrogant und eitel, mit ihm würde ich gerne einen Kaffee trinken. „Komm ins Team Robert“ heißt es auf Facebook. Schon klar, Werbe-Blabla, aber das klingt doch recht angenehm. Auf alle Fälle ist dieser Spruch bei Habeck glaubwürdiger, als wenn Söder werben würde mit „Komm ins Team Markus“. Da würden sich ja alle bayerischen Hühner ausschütten vor Lachen.

Zu Habecks beruflicher Kompetenz will ich mich hier nicht äußern, die kann ich nicht beurteilen. Das kann ich aber auch nicht bei den anderen Protagonisten. Das können sowieso nur Insider. Söder hat mal gesagt, wenn er nicht Politiker geworden wäre, dann wäre sein Lieblingsberuf der des Metzgers. Philippa ist Spezialistin für Makrofinanzen. Und Habeck war früher in der Literatur tätig, ist also ein Feingeist. Außerdem ist er ein freundlicher Mann von gutem Charakter und Stil und kein soo aufgeblasener Machtmensch wie seine Konkurrenten. Schon deshalb hat Habeck keine Chance, Kanzler zu werden.

Ich hätte Robert gerne als Kanzler. Vielleicht ist er dazu zu lieb? Ob er mit Putin klar käme? Egal, mit Putin kommen eh nur böse Menschen klar. Aber wie gesagt, die meisten Deutschen hassen Habeck ja sowieso. Wegen der Wärmepumpe. Dabei wirbt dafür inzwischen längst auch Merz (Urban Priol hat es bewiesen!). Trotzdem: Bevor man die scheiß Grünen mit ihrem Klimagelabere wählt, entscheidet man sich dann doch lieber für die AFD-Weidel. Schon, oder?

Boah, das ist ein fieser Blog zum Jahreseinstieg 2025. Mein guter Kamerad Bäda hat mich ja mehrmals darauf hingewiesen, ich solle bitte die Finger von politischen Dingen lassen. Aber, Bäda: bei dieser Plakatiererei! Da kann doch das ruhigste Pferdchen nur noch wiehern.

Ich wünsche meinen lieben Leserinnen und Lesern ein herzliches gutes Neues Jahr. Vor allem Gesundheit, aber auch ganz viele Makrofinanzen, um ausreichend Metzgereiprodukte kaufen zu können.

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