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Liebe Leser,

der Zinkl ist zum Wassertier geworden. Seit Anfang Dezember 2018 gleitet er jeden zweiten, mindestens aber jeden dritten Tag in einen 25 Meter-Pool hinein, welcher ihm großzügig von der Firma Body and Soul zur Verfügung gestellt wird.
Ausführlich sind diese jungfräulichen Schwimmerlebnisse übrigens in Blog 063 nachzulesen.

Genau: Anfangs schwamm Zinkl noch wie eine empfindliche Oma mit rausgestrecktem Kopf über der Wasseroberfläche, damit ihm nichts in Ohr und Nase laufen konnte. Davon bekam er jedoch ziemlich schnell einen verspannten Nacken – und das ist ja nicht ungedingt ein erwünschter Effekt.

Schließlich beobachtete er andere menschliche Wesen im Wasser, welche mit eigenartigen Brillen ausgestattet waren. Soso, dachte er sich, soo geht das also. Kopf unter die Wasseroberfläche, damit der Körper gerade liegt. Kann man ja mal ausprobieren.
Bei Tante Amazon bestellte sich Zinkl eine Brille, mit der er aussieht wie eine Kreatur aus dem Sonnensystem Sirius. Mit dabei in der Lieferung waren Stöpsel für die Ohren und ein Clip, der den unteren Bereich der Nase zusammenpresst.

Die Ohrenstöpsel schmiss Zinkl auf den Boden, man will sich ja nicht allzu unmännlich benehmen. Aber der Nasenclip kam zum Einsatz, auch wenn er die Nase nachhaltig ganz häßlich verformen würde. Wenn sich die Nase ans Wasser gewöhnt haben würde, könnte man den Clip ja evtl. auch auf den Boden werfen.

Auf jeden Fall war der Proband Zinkl ab sofort ein ernstzunehmender Schwimmer. Die anderen Wasserbewohner wichen panisch blubbernd aus und verließen kreischend das Becken, als sie ihn mit seinem neuen Augenschutz erblickten. Das war Zinkl gerade recht, niemand sollte seine Kreise bzw. seine Bahnen stören.

Allerdings gab es eine dickliche Frau, die hatte ein noch viel furchteinflößenderes Instrument im Gesicht! Zinkl wagte es, sie deshalb anzusprechen, und die freundliche Dame lobte den POWERBREATHER AMEO WAVE über den grünen Klee. Das sei DAS Teil schlechthin, um mit dem Kopf unter Wasser bleiben zu können!

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Obwohl das Gerät haarsträubend kostspielig ist, hat Zinkl es wagemutig erworben. Es dauerte drei Stunden, bis er herausgefunden hatte, wie es am Kopf anzutackern sei. Das große Gummimundstück lag komisch im Maul, das Ding musste eng am Kopf angeschnürt werden, Zinkl kam sich vor wie der Mann mit der eisernen Maske. Das konnte eine Gaudi werden im Pool!

Mit großer Vorfreude wurde das geile Instrument am gleichen Abend im Pool angelegt, mit dem Kopf über Wasser. Zinkl bekam trotzdem eine Panikattacke, noch bevor er sich komplett ins Nasse vertiefte. Kaum unter Wasser, schluckte er durch das Mundstück soviel, dass sich die anderen Schwimmer wunderten, ob vielleicht jemand den Stöpsel gezogen hätte.
Hustend, prustend, würgend und mit wildem Zorn riss sich Zinkl das Teufelsteil vom Kopf und verfluchte sich wegen seiner totalen Tollpatschigkeit. Nun gut, das war er schon immer gewesen, tollpatschig, aber dies war eine neue Qualität an Unvermögen.

In den Instruktionen zu dem Gerät war davon die Rede, man müsse sich erst daran gewöhnen, das dauere seine Zeit. Wenn Zinkl etwas nicht hat, dann ist es Geduld und Zeit. Er reinigte den Powerbreather daheim akribisch und schickte ihn originalverpackt zurück zur Tante Amazon. Nie mehr Powerbreather. Das braucht doch keine Sau, Mensch!

Ab sofort begnügt er sich mit seiner Sirius-Brille und dem unangenehmen Nasenclip. Er praktiziert eine völlig neue Schwimmtechnik, wegweisend und nur bei ihm zu sehen: Brustschwimmen, zwei Züge mit Kopf oben, dort tief Luft holen, und dann fünf lange meditative Züge unten bleiben. Idealerweise dabei den Mund geschlossen halten. Danach wieder hoch, ausprusten, zwei Züge, möglichst viel Luft einschnaufen, und wieder fünf meditative Züge unten bei geschlossenem Mund, usw.

Dies ist nun zu Zinkls neuem Hobby geworden. Vor zwei Monaten war er noch nach jeder 25 Meter-Bahn außer Puste und musste sich eine halbe Minute erholen. Inzwischen hat seine Lunge ganz andere Möglichkeiten – Wasserwesen Zinkl durchgleitet 20 Bahnen nur noch mit ganz kurzen Päuschen und fühlt sich dabei wie Poseidon. Kürzlich hat er auch den saublöden Nasenclip weggeschmissen. So unnötig wie ein Kropf.

Dass er ständig von irgendwelchen kraulenden, nervig tösenden Kampfschwimmern anstößig berührt und überholt wird, ignoriert Zinkl und genießt lieber die Sicht auf die wunderbunten Korallenbänke und Seesterne und Mantelrochen und Picassofische, die er sich dank seiner hemmungslosen Fantasie problemlos visionieren kann. Kürzlich sichtete er sogar eine prachtvolle Feuerqualle, die ihm jedoch Gott sei Dank keinen Schaden zufügte.

Gestern hat Zinkl im Pool an einem anderen menschlichen Wesen schon wieder seltsame Dinge entdeckt. Plastikflossen für die Hände! Wie geil ist das denn?

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Da er aus Erfahrung nicht klüger wird, hat er sich diese neuen Zusatzinstrumente gleich wieder bestellt, bei seiner Tante. Diesmal hält sich die Investition ja in Grenzen. Mal sehen, ob die Dinger Zinkls Tollpatschigkeit nicht wieder zum Opfer fallen – auf der Reise zu neuen Gefilden in dem Fluidum, welches seine zweite Heimat geworden ist.

Übrigens: Ein solch kindisches Intrumentarium hatten Jean-Marc Barr und (der damals noch junge) Jean Reno in dem wunderbaren französischen Film „Im Rausch der Tiefe“ von 1988 nicht nötig. Die beiden Darsteller spielten konkurrierende Tiefseetaucher, die weltmeisterlich lange ohne Hilfsmittel die Luft anhalten konnten. Ersterer war ziemlich introvertiert, gab sich lieber mit Delphinen ab als mit Menschen und tauchte am Ende des Filmes mit seinen tierischen Gefährten hinfort in die tiefen Weiten des Ozeans.
So weit wird Zinkl nicht gehen, beim Erkunden der istrischen Gewässer im nahenden Sommer. Aber auf Delphinen reiten, ja warum denn nicht?

Es wird davon berichtet werden, hier online natürlich.

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Nachtrag:

Genau heute, am 28. Februar 2018, kamen aus China endlich diese blauen Generic Hand-Schwimmflossen angeschwommen, und ich habe sie einem strengen Test unterzogen. Also: Das Ankleiden ist so schwierig nicht; in die vorderen mittleren Gummischlaufen steckt man jeweils den Mittelfinger und zieht die Bänder dann straff. Die Teile sind ein wenig klobig an den Händen – Schnürsenkel kann man damit nicht mehr binden.

Beim Schwimmen stellte sich heraus, dass die Flossen deutlich mehr Wasserwiderstand verursachen und dass man disziplinierter paddeln muss, als mit bloßen Händen. Außerdem braucht man beim Brustschwimmen mehr Muskelkraft in den Armen. Schneller wird man damit nicht, eher müder. Vielleicht sind diese Plastikteller gut für kraulende Menschen, aber ich selbst kraule ja nicht, ich gleite.

Daher habe ich beschlossen, die Dinger zu verschenken. Wer will sie haben?

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