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Liebe Genesende,

alle paar Jahre genehmige ich mir einen Kurzaufenthalt in einem bayerischen Krankenhaus, um dort die Ausstattung und den Service zu testen. Diesmal habe ich mir das Helios Amper-Klinikum in Dachau ausgesucht.

Dorthin kommt der unerschrockene E-Biker, wenn er sich zwischen Markt Indersdorf und Schönbrunn (nicht zu verwechseln mit dem Schloss in Wien) eine struppige Böschung hinunterwuchtet und ihm dabei der linke Fußknöchel um 47 Grad verrutscht. Das sieht schon ungewohnt aus und man denkt sich: Hoppla, ganz was Neues!
Einen weit größeren Schrecken allerdings hatte die arme Motorradfahrerin, die mich blinden Narren fast zersägt hätte. Einer meiner letzten Blogs hieß GLÜCKSACH. Genau! Zinkls Schutzengel dachte sich wohl: Lassen wir ihn noch eine Zeitlang leben, aber eine kleine Abreibung hat der Trottel schon verdient.

Leider musste wegen mir ein kompetenter Operateur seinen wohlverdienten freien Sonntagnachmittag abbrechen, um die Bruchstellen zu verschrauben und weiß zu verpacken. Das beherzte Einrenken des abstehenden Knöchels hatte ein Sanitäter während meiner geistigen Abwesenheit noch am Unfallort vollzogen: DANKE DANKE DANKE!

Jetzt esse ich Rigatoni al non dente mit Brokkoli in Sahnesauce und lasse mich von liebenswürdigen maskierten Krankenschwestern umschwirren. Im TV läuft das Quizduell mit dem mittlerweile auch ergrauten Pilawa, endlich habe ich mal Zeit für Pilawa & Co.

Ebenso die Zuschauerauswertung des Triells am Vorabend ist interessant. Ich mag die Annalena durchaus, sie trägt Pumps und muss sich zwischen zwei sich streitenden Gockeln behaupten. Ich glaube, sie wäre  mit Herrn Habeck zusammen eine gute Kanzlerin, ja warum denn nicht mal ein Kanzlerpärchen aufstellen?
Dem Armin dagegen fehlt der Söderturbo; man muss ganz sicher kein Telepath sein, um zu spüren, was Markus der Erste insgeheim über Herrn Laschet denkt. Aber er darf es ja nicht laut in die Welt hinaus rufen, auch wenn es in ihm noch so brodelt wie der Schmerz in meinem maroden Knöchel, wenn ich mit jenem Walzer tanzen will. 

Unfassbar, was an so einem sonnigen Montag für Zeug in satrtlvoxmdr angeboten wird. Auf arte wird soeben erklärt, wie die männliche Ejakulation funktioniert. Ist gerade nicht meine Baustelle. Aber danach lerne ich die neuesten archäologischen Erkenntnisse über den Bau der Cheops-Pyramide. Es ist nicht ganz so gewesen, wie in Land der Pharaonen mit Pharao Cheops Jack Hawkins und Prinzessin Nellifer Joan Collins, obgleich der Film wunderbar ist. In echt hatten die alten Ägypter sicher nicht einen solch großartigen Soundtrack vor Ort.

Diesen Blog schreibe ich übrigens zum ersten Mal auf dem iPhone, hier im Krankenbett. Heute tagsüber hatte ich kein Ladekabel, das Gerät war 10 Stunden tot. Man ist ja eine arme Sau ohne Smartphone. Eine Katastrophe, wenn man nicht nachgoogeln kann, wieviel billionenmal der Rote Überriese Stephenson 2-18 größer ist als unsere Sonne. Diese Monstersonne hat man anscheinend kürzlich aus dem Universum herausteleskopiert. Ob der liebe Gott auch Stephenson erschaffen hat?

Apropos lieber Gott: Auf der Radltour durchs Dachauer Land hatte ich mit einem neuen dramatischen Fotoprojekt begonnen: alle Jesusse am grünen und dörflichen Wegesrand abzulichten. Ein ähnliches Unterfangen war ja bereits mit dem Knipsen und Collagieren von zahlreichen herumliegenden Masken erfolgreich durchgeführt worden. Es gibt dazu den fröhlichen Sommer-Blog Nr. 177.

Zwei Jesusse aus Jedenhofen und kurz vor Schönbrunn hatte ich bereits ins iPhone eingemeindet, da hat Gottvater eingegriffen und mich aus dem Rennen genommen. So kann es gehen, liebe Gläubige, wenn ein Zinkl zu übermütig wird. Ich lasse es mir trotzdem nicht nehmen, Jesus Nr. 1 hier als Blog-Starterbild zu verwenden.

Hier im Helios Amper-Klinikum beobachte ich übrigens einen ganz außergewöhlichen physikalischen Effekt: Unter dem überriesigen pyramidenförmigen Glasdach vergeht die Zeit um ein Vielfaches langsamer, als im sonstigen Dachau. Fortgeschrittene Technik, um den Heilungsprozess zu beschleunigen! Respekt! Man kommt in zwei Tagen raus und ist vollständig genesen. Gell, lieber Gott?

So, jetzt verlagere ich das wunde Beinchen um ein paar Dezimeter und schließe gleich die Augen. Danke, Alexandra, dass du mir die vorzügliche selbstgebackene Schwarzwälder Kirschtorte in den ersten Stock durchs Fenster hochgeworfen hast, nachdem dich der Pförtner nicht zu mir gelassen hat. Geimpfte maskierte Besucher dürfen im Helios-Palast nicht zu geimpften maskierten Patienten! Ja mei, da hilft kein Zetern.

Aber egal. Ich lebe und das macht mich froh.

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