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Liebe Leser,

bei meiner abschließenden Schulteruntersuchung (siehe auch Blogs 011 und 015) hat mir der Arzt gewitzt mitgeteilt, ich müsse verstehen: Bei Schulteroperationen dauert der Heilprozess sehr viel länger als bei anderen orthopädischen Eingriffen, weil die Schulter kompliziert ist. Es heißt ja nicht grundlos DER Fuß, DAS Knie, aber DIE Schulter. Ich weiß nicht, wie alt der Witz ist – die Praxisassistentin konnte darüber nur schmerzhaft die Mundwinkel verbiegen.

Nun, dieses köstliche Bonmot veranlasste mich, nachzudenken – über den Unterschied zwischen dem Fuß und der Schulter, ich meine zwischen dem männlichen und dem weiblichen Homo sapiens. Meine Lebensgefährtin Pia hat mich mit drohender Miene davor gewarnt, dieses dünne Eis zu betreten. Herr A. Hacke hätte seine erste Ehe zugrunde gerichtet, weil er über viele Jahre diverse unterhaltsame Familiengeschichten veröffentlich hatte.

Dies liegt mir absolut fern. Ich werde doch nichts Privates online stellen, bin ich des Wahnsinns? Aber es dürfte wohl noch erlaubt sein, über den Wahrheitsgehalt eines schalen Arztwitzes zu sinnieren, ohne dass mir schwere Pfannen an die Birne geschlagen werden.

Aus meiner Sicht ist es so:
Die allermeisten Frauen sind ungleich empathischer / gefühlvoller / emotionaler / sensibler als der durchschnittliche Mannmensch, der ganz andere Sorgen hat. Nämlich jene, dass er ständig dem urzeitlichen, genetisch einprogrammierten Drang nachgehen muss, sich möglichst oft und vielfältig fortzupflanzen. Damit die Spezies überlebt. Dieser Drang ist heutzutage angesichts der massiven Überbevölkerung auf der Erde völlig unnütz, aber das wissen die Gene noch lange nicht.

Die oben genannten Eigenschaften der Frauen dagegen sind grundsätzlich als positiv zu bewerten, denn sie sind in der Regel nicht im Spiel, wenn Kriege begonnen und vor allem ausgeführt werden und wenn die Menschheit ins große Unglück stürzt. Na gut, die eine oder andere Homo sapiens-Frau ist am großen Unglück vielleicht nicht immer ganz unschuldig, das darf gesagt werden.

Frauen können sich mitunter das Leben selbst erschweren, wenn ihre Empathie und Sensibiliät ausufert. Wer viel und tief fühlt, der fühlt auch manchmal fast zu viel und zu tief und muss auch viel über das Gefühlte nachdenken, muss es verarbeiten und beurteilen, aber Gefühltes lässt sich mit Gefühlen schwerer beurteilen und so kann Gefühltes auch zur Last werden. Frauen fühlen und spüren und ahnen oft Dinge, die dem Manne so fern sind wie der Ton einer Hundepfeife.

Frauen können über Begebenheiten tagelang grübeln, die der Mann bereits nach drei Sekunden vergessen hat, sofern er sie überhaupt bemerkt hat. Da die Frau neben ihrer Empathie oft auch noch kommunikationsfreudiger und intelligenter ist als der Mann, erlebt sie diesen nicht selten als Neanderthaler, der nur drei Dinge im Kopf hat. Und darunter leidet sie, kann die Sachlage aber nicht ändern.

Männer merken schon manchmal, wenn die Frau leidet, aber sie erkennen oft nicht den Grund. Entweder es ist ihnen dann völlig egal oder sie fühlen sich inkompetent und minderbemittelt. Dann kann es bei den unbeherrschten und bösartigeren Exemplaren der männlichen Zunft vorkommen, dass sie zu den einzigen Mitteln greifen, in welcher sie den Frauen fast immer überlegen sind: in der Lautstärke und in körperlicher Gewalt. Wird leider so praktiziert, seit Anbeginn der Zeiten.

Wenn aber Männer glauben, dass sie die Gefühle verstehen können, welche die Frauen belasten, versuchen sie, die Belastungen ganz pragmatisch mit Lösungsvorschlägen zu lindern, die der männlichen Logik entspringen. Doch das ist völlige Narretei. Tipp: Die Dame in den Arm nehmen und nichts sagen – das ist das probate Mittel.

Habe ich bisher chauvinistisches Gedankengut veröffentlich? Ich denke nicht, denn ich bin ein großer Bewunderer der Frau und könnte ohne sie nicht glücklich sein. Was mir Frauen beigebracht haben, ist von enormer Vielfalt und von unschätzbarem Wert (dass mich diese strenge Schule mitunter an den Rand des Wahnsinns getrieben hat, wollen wir hier nicht groß erwähnen).

Was ich dagegen von Männern gelernt habe: bis auf das Schafkopfen und das Ausarbeiten von Theaterstücken nichts Wesentliches. Aber Schafkopfen und Theaterstücke schreiben sind natürlich auch was wert.

Fazit:
Der Unterschied zwischen dem Fuss und der Schulter ist beträchtlich, denn DIE Schulter kommt nirgendwohin, wenn das DER Fuss nicht übernehmen würde.

Stop, so ein Mist! Das ging völlig in die falsche Richtung! Es muss heißen: DER Fuß ist zwar zuständig für das körperliche Weiterkommen, aber DIE Schulter trägt den Kopf und damit den Verstand – und dieser sagt, WOHIN es geht.

Jaaa! So ist es richtig herum gesagt. Das gilt, liebe Damen!

 

Nachtrag:
Puh, man ist schneller drin im Fettnäpfchen, als ein Huhn ein Korn aufpickt. Herrschaftszeiten! Merke: Erst denken, dann reden. Hilft vor allem auch beim Umgang mit dem weiblichen Geschlecht.

Nachtrag: 2
Bereits jetzt geht mir diese ganze anbiedernde Schleimerei auf die Nerven. Frauen sind auch nur Menschen, das darf man nicht vergessen. Und der Mensch ist schlecht – das sagte damals schon Bert Brecht.

 

Nächste Woche hat meine Tochter Konfirmation. Aber ich werde es mir verkneifen, schon wieder über Religion zu palavern.
Stattdessen gibt es zum zweiten Mal den Zinkl-Warentest. Diesmal: KOPFHÖRER.

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