sensau

Liebe Leser,

diesmal habe ich anzubieten: einen neuen Bericht aus der Serie »Zinkl Warentest«, der Ende vorigen Jahres mit „Ikea vs Lego“ (siehe Blog 008) seinen Einstand feierte. Es geht hier jedoch nicht um weitere skandinavische Produkte, sondern um ein Fahrrad mit Motor. Bekannt ist es seit geraumer Zeit unter dem Begriff e-bike. Das ist englisch und bedeutet: Elektrisches Bike.

Im geliebten Internet stöberte ich vor einer guten Woche und fand unter:

https://www.linkradquadrat.de/fahrraeder/elektro-raeder-pedelecs/e-bikes-city/1211/liqbike-comfort-26-zoll-ruecktritt-bosch-active-line-plus-modell-2018

dieses schöne Stück. Ich telefonierte sogleich mit einem Herrn der Firma Link Rad Quadrat in Gengenbach und bot freundlicherweise an, ich würde dieses Rad mit seinem Motor des renommierten Unternehmens Bosch testen und dann einen wohlmeinenden Bericht in meinem weltberühmten Blog veröffentlichen. Der Herr war so begeistert, dass er sich kaum mehr einkriegte und schickte dieses Rad sofort an meine Adresse. Er hatte nur eine Bedingung: Ich solle es bitte bezahlen und könne es ja nach dem Test wieder zurückschicken, aber es müsse natürlich aussehen wie neu.

Das konnte mich nicht abschrecken – ich bestellte das Teil. Zuerst ließ ich mir in der Münchner Werkstatt meines Vertrauens einen anderen, saubequemen Sattel für senile Rentner draufmontieren und außerdem einen Transportkorb vorderhalb des Lenkers, damit ich dort meinen venezianischen Rucksack einlegen konnte. Man gönnt sich ja sonst nichts.

Gestern war der große Tag. Ich fuhr mit der Fortbewegungskombi Smart/e-bike hinaus ins östliche Land, parkte den Smart in Markt Schwaben und schwang mich auf das elektrische Vehikel.

Vorab zur Information: Dieses Radl ist mit 24 kg ein wenig schwerer als ein normales, aber es tretet sich anstandslos und normal mit 7-Gänge-Schaltung OHNE Motor. Bereits auf dem gemäßigt gehügelten Radweg von Markt Schwaben nach Anzing schaltete ich das Helferlein dazu. Huiii, da ging die Post ab. Das Helferlein schob so gut an, dass ich auch aufwärts genauso wenig Mühe hatte als auf gerader Strecke.

Kurz gesagt: Die nächsten vier Stunden waren ein so sensationelles (um nicht das häßliche g-Wort schon wieder zu verwenden) Radfahren, dass ich einen Teufel tun werde und das Rad zurückgeben. Komfortzone nonplusultra für einen Menschen, der sich nichts mehr beweisen muss.

Das Radl hat drei Motoreinstellungen: ECO, TOUR und SPORT.
A) ECO vermittelt eine sanfte Unterstützung zum normalen Radbetrieb.
B) TOUR schiebt das Rad so wunderbar an, dass man 65 km auf und ab genauso locker hinter sich bringt, als wären es 15 km mit unmotorisierter Treterei.
C) SPORT braucht man wohl bei ganz harten Steigungen, die hatte ich aber nicht, dazu kann ich also nicht viel sagen. Aber ist sicher auch wirkungsvoll, verbraucht halt am meisten Saft.

15 km vor Wasserburg fing das Rad ganz heftig an zu klappern. Ohweh, dachte ich, geht’s schon los. Schnell hatte ich das Übel entdeckt. Der Akku besaß zwei Schrauben, welche ihn fest mit dem Gepäckträger verbanden. Allerdings fehlten die zugehörigen Muttern, die hatten wohl wegen der Schüttelei beim Fahren die Flucht ergriffen. Nun klapperte der Akku laut und hässlich. Das darf doch nicht passieren! Muttern müssen fest angezogen sein. Herrschaftszeiten. Hatte ich Ersatzmuttern dabei? Natürlich nicht.
Ich fuhr zurück zum letzten Bauernhof, den ich passiert hatte. Zum Glück war der Jungbauer da und half mir mit seinem Werkzeugkasten aus. Die guten Bauersleute vom Lande – man lobe und preise sie! So konnte ich ungeschüttelt, aber gerührt von der tatkräftigen Hilfe weiterrollen.

e-bikeAuf dem Weg von Ebersberg nach Steinhöring

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Das wars zum Warentest. Man muss natürlich die obere vertikale Stange des Lenkers mit schwarzem Klettband versehen, damit man darauf sicher den iPod verankern kann. Ich habe mir auf der Hinfahrt angehört: zuerst Schmusemusik von den Carpenters (weil ich so glücklich war), gleich danach das Gegenserum, das Album „Killer“ vom guten alten bösen gottesgläubigen Alice Cooper.

Zurück ging es quer und schnurgerade durch den Ebersberger Forst. Nachdem ich eine Viertelstunde ganz alleine war, brach von rechts ein gelber Mähdrescher heraus, der mich beinahe aufgespießt hätte. Merke: Man sollte bei Kopfhörerbetrieb mit sägender Hammondorgel von „Atomic Rooster“ trotzdem noch die Straßen von rechts beachten, sonst kann die e-bike-Extase schnell zum grausamen Tode führen.

Der Akku war nach der Reise noch halbvoll, man kann also einen Tag ohne „Auftanken“ rollen, außer man will mit der Einstellung TOUR über 100 km schaffen. Das könnte dann knapp werden und man muss konventionell weitertreten.
Dieses Rad kann man bis zum 2. Juli 2018 (das ist ja schon morgen!) zum Supersommersonderpreis von 1.499 Euro erwerben. Ich bekomme leider keine Provision für diese Werbeaktion, ich will nur die Gelegenheit verkünden, die sich hier noch bietet.

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Als ich wieder zurück war bei meiner Mama in Markt Schwaben, kam ich gerade noch rechtzeitig zum Achtelfinale der WM 2018 zwischen Frankreich und Argentinien. Und ich muss sagen: Nicht nur der Zinkl ist mit WARP-Antrieb unterwegs gewesen – auch die Franzosen hatten diese Innovation in den Beinen und haben damit die Südamerikaner weggeballert.
Die deutsche Nationalmannschaft unter Maestro Yogi Löw war ja noch mit den Erfindungen des legendären deutschen Antriebskonstrukteurs Wernher von Braun aus der Mitte des 20. Jahrhunderts vertraut gewesen und musste daher schon sehr verfrüht aus dem Turnier ausscheiden. Ich empfehle eine zeitnahe Nachrüstung.

So, meine Lieben. Abschließend darf ich verkünden, dass meine künftigen Reisen durch die bayerischen Provinzen nur noch mit e-bike stattfinden werden. Was mich jedoch nicht daran hindern wird, auch weiterhin den einen oder anderen Friedhof aufzusuchen, um dort von WARP auf RAST umzuswitchen.

Nachtrag:
Es gibt auch noch eine vierte Motorleistungseinstellung, das habe ich in meiner Begeisterung erstmal übersehen: TURBO. Wer’s braucht.

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