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Liebe Leser,

ich habe nun die große Ehre, einen ersten Gastbeitrag zur Verfügung stellen zu können. Es freut mich, dass Herr Prof. Dr. Johannes Schlicht die Zeit und Energie aufbringen konnte, um zur Thematik der letzten drei Wochen eine ausgezeichnet recherchierte Ergänzung zu verfassen – welche von großem Interesse sein dürfte.

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Das von Herrn Zinkl in drei amüsanten Folgen ausgeführte Thema ist auch mentalitätsgeschichtlich hochinteressant, denn aus Kontaktanzeigen – die ersten erschienen in England im 17. Jahrhundert – lassen sich recht genau die jeweiligen Haltungen gegenüber Ehe und Partnerschaft sowie die Erwartungen an das andere Geschlecht herauslesen. Für mich als Anglisten eine interessante Spielwiese. So suchte ein 30-jähriger Engländer im Jahre 1695 ‘some good young gentlewoman that has a fortune of £3,000 or thereabouts’. Die Attribute “good” und “young” sind ja recht weit gefasst, während die finanzielle Zielvorgabe schon deutlich präziser ist (3000 Pfund von damals entsprechen heute übrigens etwa 340.000 Euro!). Okay, nicht sehr romantisch, aber hier wird jedenfalls nicht lange um den heißen Brei geredet, was die Sache deutlich vereinfacht.

Eine Generation später, zur Zeit der Empfindsamkeit, waren die Gentlemen schon anspruchsvoller, was die Erwartungen an das Äußere der Zukünftigen angeht, wobei eine ordentliche Mitgift weiterhin erwartet wurde. In einer Kontaktannonce aus dem Jahr 1750 heißt es: “Good teeth, soft lips, sweet breath, with eyes no matter what colour so they are but expressive; of a healthy complexion, rather inclin’d to fair than brown; neat in her person, her bosom full, plump, firm and white (…)”. Beschreibungen beim Verkauf von Reitpferden aus derselben Zeit unterscheiden sich nur unwesentlich, auch da steht das gute Gebiss an erster Stelle.
Den Shitstorm möchte ich sehen, den eine solche Anzeige heute auslösen würde. Herr Zinkl, wollen Sie’s spaßeshalber mal ausprobieren?

Aber auch die Damen waren in ihren Erwartungen recht “outspoken”. In einer Annonce um die Jahrhundertwende schrieb eine junge Lady, die sich offenbar mit Unterrichten ihr Geld verdienen musste, folgende Anzeige:
„Young woman, reared in luxury, having lost everything and earned her living for the past eight years, is tired of teaching and wishes a home: would like to meet a well-to-do businessman who would appreciate refinement and affection in a wife. Object: matrimony.“

Wenn ich einmal „tired of teaching“ bin, kann ich mich hoffentlich auf meine wunderbare Frau (good teeth, healthy complexion!) verlassen, die mich finanziell über Wasser halten wird. Oder?!

(Wen das Thema näher interessiert, dem seien die Artikel in der Daily Mail vom 22. Januar 2017 und der Huffington Post vom 6. Dezember 2017 empfohlen.)

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