gesocks2

Liebe Leser,

vor einigen Tagen habe ich spontan meine 15-jährige Tochter Linda besucht; sie hatte ihre beiden hervorragenden Freunde Klara und Clemens zu Gast. Die drei hockten auf der Coach und verköstigten sich mit selbst zubereiteten Nudelsalat.

Linda empfing mich wie immer mit warmen Worten.
„Ach Papa, wie kommst du denn wieder daher! Billige braune Sandalen – und der Gipfel: darunter die weißen Socken hoch über die Knöchel gezogen. Das ist eine einzige Katastrophe.“
Ihre beiden Freunde waren wohl der gleichen Ansicht, obwohl sie sich aus Respekt vor Lindas Vater vornehm zurückhielten und nur ein wenig grinsten.

Diese Proklamation einer verständigen aber ungnädigen Tochter im Puberalter ließ mich mal wieder ins Grübeln kommen – über Baumwollstoff an den Füßen allgemein und im Speziellen. Denn dieses Thema brennt mir schon seit Jahren unter den Socken, und es wird Zeit, es endlich einmal auf den Tisch zu schmeißen.

Man hat ja heutzutage Füßlinge. Das sind dünne Stofffetzen, die man sich an die Fußsohlen tackert, damit sie sich nicht wegwuzzeln können. Wenn man normalhohe Schuhe trägt, dann sind diese Füßlinge völlig unsichtbar und es wirkt optisch, als würde man in seinen ultraschicken Nikesneakers barfuß stecken. Doch auch nützlich: Die Füßlinge verhindern das Schweißtreiben der Fußsohlen – und sie bewirken, dass die menschlichen Fußknöchel in ihrer totalen Sexyness unter den Hosenbeinen herausblitzen können.

Erfunden hat dieses System übrigens mein lieber Freund und Geschäftskollege Kay. Ich habe es jedenfalls bei ihm zum ersten Mal gesehen und war schwer beeindruckt. Konnte mich kaum mehr auf unser Gespräch konzentrieren, weil ich mir immer seine sexy Fußknöchel anschauen musste.

Ich habe mir dann solche Füßlinge auch gekauft, günstig im 10er-Pack beim Drogeriemarkt. Die Farbe ist ja egal, weil man sie nicht sehen kann. Leider bin ich davon sehr schnell krank geworden. Es verhält sich nämlich so, dass meine Fußknöchel den eisigen Luftzug im Frühjahr, Herbst und Winter nicht gut vertragen können und infolgedessen meine Abwehrkräfte gegen Erkältungsviren darnieder lagen. Scheißdreck-Füßlinge. Das kommt davon, wenn man jeden Modeschnickschnack mitmacht, nur weil man auch sexy sein will.

Ja gut, ich bin halt empfindlich. Auch wenn ich mir ein schwarzes T-Shirt anstelle von einem weißen (wie seit Jahr und Tag) anziehe, werde ich krank. Weil schwarze T-Shirts viel stärker das Sonnenlicht absorbieren als weiße – und sich demzufolge bei mir eine ungewohnte Überhitze am Oberkörper ausbreitet. Diese wiederum schwächt meine Firewall, und ab geht’s am nächsten Tag mit argem Halsbrennen und kommender Rotznase.

Aber wir waren ja beim Sockenthema! Ich kann mich da so richtig reinsteigern. Frauenzeitschriften wie Cosmopolitian, die Bunte, Brigitte, Petra, Barbara und wie sie alle heißen, können sich seit vielen Jahrzehnten über Wasser halten, weil sie seitenweise Platz damit füllen, schlimme Häme auf jene Männer zu gießen, die völlig unbedarft weiße, braune oder auch gemusterte Socken unten ihren Sandalen tragen. Diese häßlichen Schweine, heißt es.
Dabei weiß jeder Mann, wie saubequem sich das anfühlt. Genial richtig temperiert, können die Füße atmen, ohne dass sie schwitzen oder frieren müssen. Ein besseres System zur Gesunderhaltung ist nicht vorstellbar. Aber was machen diese eifrigen Modediktatoren: alles kaputt mit ihrem Wahnsinn, bar jeder Vernunft und Toleranz ja sowieso.

Natürlich ist es widerwärtig, wenn man Männern begegnen muss, die Socken unter den Sandalen tragen. Das muss man mir nicht beibringen, das sehe ich doch genauso. Diese Leute sind – abgesehen von ihrer unerträglichen Hässlichkeit – Menschen ohne Intellekt und ohne kulturellen Feinsinn. Sie halten Picasso für einen Schmierfinken, sie bestellen in Italien drei Cappuccinos (anstelle tre Cappuccini), sie lesen die BILD-Zeitung und sie finden Helene Fischer toll. Außerdem tragen sie rassistisches Gedankengut in sich, weil sie geschmacklose Witze über Ausländer machen. Und was das Schlimmste ist: Das ist alles wahr!

So will man doch nicht sein. Also: Her mit den Füßlingen! Man trage sie solange, bis sich der Metabolismus an sie angepasst hat. Irgendwann friert man nicht mehr an den Fußknöcheln, sondern diese gieren geradezu nach frischer Luft. Man kann sich doch an alles gewöhnen, es ist nur eine Frage, ob man sexy sein will oder nicht. Und wer will denn verdammt nochmal nicht sexy sein heutzutage? Mit Füßlingen darf man sogar politisch unkorrekte Aussagen machen, damit eckt man gewiss nicht an.

Es gibt auch noch Socken, die sind höhenbezogen genau zwischen den Füßlingen und den normalen wadenhohen angesiedelt. Die werden von der Gesellschaft ebenfalls akzeptiert, obwohl man sie teilweise aus den Schuhrändern herausragen sieht. Gewollt, aber nicht gekonnt, würde ich sagen.
Und es gibt junge Frauen (viele sind es nicht), die tragen Faltenröcke und schwarze Strümpfe, die knapp bis unters Knie reichen. Das sind sehr selbstbewusste Frauen, die haben meist auch halblange schwarze Haare mit Ponyschnitt. Man traut sie sich nicht anzusprechen, weil man Angst haben muss, dass sie dann ein überlanges Stilettomesser hervorholen, um einen in Streifen zu schneiden.

Ist übrigens bekannt, dass Kniestrümpfe bei Männern mit kurzen Freizeithosen nicht sexy sind? Da habe ich direkt ein altmodisches Bild von einem helmtragenden Wissenschaftler mit Schmetterlingsnetz in den Tropen im Kopf. Und nun sofort Eddy Arent als Lord Castlepool! Dummerweise trug dieser aber lange Hosen mit Stiefeln. Passt also überhaupt nicht zum Thema, dieses Beispiel! Mensch, Zinkl!

Ausnahmefall: Auf dem Fußballplatz! In den 70er Jahren trugen Bomber Gerd Müller und Paul Breitner ihre Strümpfe noch heruntergerollt bis unter die Waden. Das bedeutete damals: Voll in Action, stets torgefährlich, keine Zeit für das lästige StändigdieKniestrümpfehochziehenmüssen. Das sah aber auch ziemlich geil aus, am Gerd. Damals waren die Kniestrümpfe der Fußballer noch nicht unrollbar, so wie heute. Man versuche einmal, Frank Ribéry die Kniestrümpfe herunterzurollen. Er wird vor Schmerz laut aufbrüllen wie ein Orang-Utan, weil man damit auch die mühsam unten den Knien angeklebten Klettbänder abreißt und mit ihnen viel Haut und Haare.

Apropos Bomber: So würde man doch heute keinen Torjäger mehr nennen, denn eine Bombe ist doch wirklich nichts von positivem Wert. Außer vielleicht die Arschbombe.
Ach, bei diesem blöden Sockenthema lässt sich leicht abschweifen…

Was noch? Nun ja, warum sind blankgelegte Fußknöchel eigentlich sexy? Blankgelegte Ellenbogenknöchel und alle Fingerknöchel sind es, soviel ich weiß, nicht. Schon mal eine Frau zu ihrer besten Freundin sagen hören: „Mensch, hat dieser Ryan Reynolds geile Ellenbogenknöchel. Ich werde so was von schwach.“ ?
Ich glaube, der freigelegte Fußknöchel ist nur ein Symbol dafür, dass man öffentlich beweist: Ich habe eine dermaßen gute körperliche Konstitution, ich bin kein Warmduscher, ein kalter Wind untenrum tut mir nichts. Ich bringe es auch im Bett, wenn es im Schlafzimmer nur noch 5 Grad Celsius hat.

Mode ist halt ein surreales Feld. Die Gesetze sind willkürlich und beliebig änderbar, in gewissen Zeitabständen. Falsch herum getragene Schirmmützen. Jeans, welche an den Oberschenkeln gegürtet werden. Bauchfreie Tops. Füßlinge. Was ist in, was ist out? Da muss man am Ball bleiben, sonst wird man schnell degradiert zu einem Menschen zweiter Klasse – von seiner eigenen Tochter.

Was noch? Zinkl würde so gerne mal wieder schottisch karierte Kniestrümpfe mit Klapperl (bayr.: Sandalen) tragen, wie in seiner Kindheit. Und damit und in sehr kurzen engen Hosen in die Eisdiele gehen. Ganz auf rebellisch machen. Aber es wird einem ja nicht gedankt.

Nächste Woche schreibe ich über echte Reizwäsche. Oder auch nicht.

 

Nützliche Zusatzinformationen eines treuen Lesers:

War ja nur eine Frage der Zeit, dass auch dein alter (Geschäfts-)Freund und Weggefährte Kay seinen Auftritt haben würde im „Blog Z“.
Ach, hätte ich die Füßlinge tatsächlich „erfunden“, reich wäre ich heute und trüge Hermelinunterwäsche. Nein, habe ich aber nicht und – ebenso „leider“ –  auch nicht deren zweite Generation, die man nicht mal mehr aus den Sneakern herausblitzen sieht.

Zweite Anmerkung: die Kniestrümpfe der Fußballer  (genannt: „Stutzen“) haben keine andere Funktion, als die darunter befestigten Schienbeinschützer zu halten, weshalb deren „Runterlassen“ während des Matches mancher sich für cool und unverletzbar haltenden Kicker vom jeweiligen Verein mit Geldstrafe und Spielsperre belegt ist.

 

Antwort Zinkl:
Ich bedanke mich ganz herzlich für diese Anmerkungen – und da sieht Zinkl mal wieder, dass er vom Fußball wenig Ahnung hat und deshalb dazu besser seine Klappe hält.

abstand-linie