galgen

Liebe Leser,

normalerweise erschiene hier nun eine ganz besondere Story mit 3.200 Worten. Bereits komplett verfasst und redigiert. Aber es handelt sich dabei um einen so intimen Bericht, dass ich es nicht übers Herz bringe, ihn online zu stellen. An den Ausgang der Geschichte denke ich ziemlich ungern – und ich will mich diesmal nicht ins grelle Schaufenster stellen, um das öffentlich zugänglich zu machen.

Noch nicht. Vielleicht sehe ich es in ein paar Monaten anders, denn es ist eine sehr gute Geschichte, die es wert ist, gelesen zu werden.
Mein Opa hatte in den 70er Jahren Freude daran, in kleinen Eichenbrettern weise Zitate zu schnitzen. Eines davon hieß: „Zeit eilt, teilt, heilt.“ Ein einfaches profanes Sprüchlein, dem ich aber nur zustimmen kann. Als mein Opa mich einmal mit einem Freund Tischtennisspielen sah, machte er auf bayrisch die Bemerkung: „Varruckte Welt“. Auch dem muss ich zustimmen; ob es sich nun um Pingpong handelt oder um bittere Liebesgeschichten: Die Welt der Menschen ist soviel komplizierter als die der Tiere – und durchaus als verrückt zu betrachten.

Momentan höre ich mir die Orchesterinstrumentals von Bert Kaempfert an. Vor allem aber von Percy Faith Theme from ‚A Summer Place‘. Dieser berühmte Evergreen wirkt wie Salbeibonbons bei starken Halsschmerzen. In den 60er und 70er Jahren liefen gefühlvolle und trostreiche Instrumentals im Radio rauf und runter, daher kenne ich sie fast alle. Heutzutage läuft im Radio nur noch Rap-Hiphop-Scheißdreck. Das sage ich jetzt aber auch nur, weil ich eine Wut in mir habe, die sich entladen muss. Eine Scheißwut auf die Inkompatibilität von zwei Menschen, die sich mögen, aber unterschiedlich stark. Warum auch immer.

Ich bin nicht der einzige, dem es irgendwie selbstmitleidig geht. Meine ältere Tochter hat aktuell mal wieder ihre Ader zum Detektivspielen und Stalken entdeckt, um merkwürdige Typen zu analysieren – wenn das man gut geht, höre ich Heidi Kabel schnacken.
Mein lieber Freund Chris, seines Zeichens Meisterapotheker, versucht nach wie vor, attraktive Damen aus Osteuropa für sich zu begeistern, auf diesen Typ Frauen fährt er voll ab. Aber es ist schwierig.

Was sonst? Kotzen ins grelle Licht. Daher für heute Schluss mit lustig.

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Der alt und servil gewordene Verlagsdirektor Randall überfährt nachts auf der Straße einen riesigen Wolf. Als er nach dem Tier schaut, wird er von ihm in die Hand gebissen. Die Wochen darauf verschärfen sich seine Sinne ungeheuerlich – und es erwachen neuer Kampfgeist und Manneskraft in ihm. Das spürt auch die wunderschöne, sehr viel jüngere Tochter des Verlagsbesitzers und sie verliebt sich in Randall. Obwohl er sich langsam in eine Bestie verwandelt, hält sie zu ihm und bleibt an seiner Seite.
Der großartige Film mit Jack Nicholson und Michelle Pfeiffer aus dem Jahre 1994 hat mich zu Tränen gerührt und mir mal wieder vor Augen geführt: Frauen suchen das Tier im Manne, keinen harmlosen Netten.

Ich werde heute nachts noch durch Schwabing streifen und kann nur hoffen, dass mich auch ein besonderer Wolf beißt.

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