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Liebe Leser (und vor allem hier: Leserinnen),

gestern habe ich meine hochgeschätzte und sehr liebe Freundin Cordula getroffen, zum Austausch unserer Befindlichkeiten vor allem im Bereich des Emotionalen. Cordula ist eine der besten Software-Spezialistinnen (was man ihr auf den ersten Blick nicht ansieht) – und vor allem eine großartige Künstlerin, deren Werke schon längst neben denen von Cy Twombly im Brandhorst-Museum hängen müssten. Aber die wahren großen Künstler werden oft übersehen, das sieht man ja auch bei mir und meiner fantastisch guten Musik.

Womit wir schon beim Thema wären. Sei doch mal ein arrogantes und chauvinistisches Arschloch. Das hat Cordula von mir zwar nicht verlangt, aber sie meinte, ich könne in meinen Blogs ruhig mal etwas böser werden. Ich entgegnete, das sei keine große Kunst, darauf hätte ich bisher im Großen und Ganzen verzichtet, weil ich bei meinen Lesern doch der nette und sympathische Kerl sein wolle und nicht der Zyniker. Sarkastisch war ich vor Jahrzehnten gern, aber Sarkasmus ist ja letztendlich nur der Schutzschild eines tief verunsicherten Menschen.

Na gut, dann werde ich jetzt mal den Zinkl-Jekyll einsperren und Mr. Zinkl-Hyde ins grelle Licht der Öffentlichkeit zerren. Passt mir eigentlich ganz hervorragend, denn es gärt ja seit geraumer Zeit sowieso in mir dunkelschwarz – und das muss raus wie die grüne Erbsensuppe aus Regans Dämonenkopf (siehe „Der Exorzist“ von William Friedkin). Und um es gleich vorab zu sagen: Ich meine ernst, was ich schreibe. Bitterernst.

Ich habe mir vorgenommen, über die Weiber zu lästern. Zeit wird es, diese im Grunde hochgeschätzten Wesen vom Throne zu schubsen. Ich bin ja zur Zeit auf der Suche nach einer neuen Gefährtin für viel bunten Spaß im Leben und ziehe dieses Projekt mit großer Zielstrebigkeit, Begeisterung und Empathie durch. Ich sehe für einen 58-jährigen Mann verdammt gut und frisch aus, bin wirklich witzig und ziemlich gescheit. Mit mir kann man sich echt unterhalten – und ich zeige Phantasie und Leidenschaft im Bett, wenn man mich lässt. Dummerweise bin ich aber auch ziemlich nett, ehrlich und zuverlässig.

Letzteres interessiert die Frauen einen Scheißdreck, das turnt sie nämlich erotisch total ab. Eine Frau will von einem 180 cm-Mann auf seinem kleinen Finger jongliert werden, er soll seinen Dreitagebart auf ihren Wangen wetzen und soll ihr immer mal wieder zu verstehen geben, dass er sie überhaupt nicht nötig hat. Hauptsache, er fickt gut, das ist das Entscheidende.

Es ist auch völlig falsch, einer Frau beim ersten Date das Essen zu bezahlen, ihr die Türe aufzuhalten oder ihr sogar den liegen gelassenen Regenschirm nachzutragen. Damit macht man sich zu einem servilen Deppen, vor dem sie keinerlei Respekt mehr hat. Die Frau denkt nämlich, das tut der Typ nur, weil er scharf auf sie ist, billige Masche, aber so leicht ist sie nicht zu haben, da hat er sich in den Finger geschnitten. Die Frau will verbal viel lieber angegriffen und herausgefordert werden, sie will sich an einem unfreundlichen Scheißkerl reiben, das macht sie an und weckt in ihr den Wunsch nach mehr.

Emanzipation hin oder her, die Gene der Frau wollen das gar nicht. Okay, die Frau will nicht unbedingt gern ins Gesicht geschlagen werden, das muss ja auch nicht sein. Aber seit „Shades of Grey“ muss das Arschversohlen schon mit im Programm sein, wie soll frau sich sonst so richtig wohlfühlen?

Eine Frau, zu der man von Anfang an nett und höflich ist und sie zum Lachen bringt, bekommt allerhöchstens freundschaftliche Gefühle für den amüsanten und harmlosen Typen, aber sich verlieben! No way. Mit einem Langweiler, der der gleichen Ansicht ist wie sie, möchte sie keine Zeit verbringen. Daher beendet die Frau solche Anbandelungsversuche ziemlich radikal mit z.B. folgender Standard-whatsapp:
„Danke für die großzügige Einladung zum Essen, der Abend war total schön mit dir, du bist ein wahnsinnig lieber und netter und lustiger Kerl, aber leider passt es nicht mit uns, ich wünsche dir alles Glück auf Erden und dass du eine ganz liebe Frau für dich findest.“

So eine Abschiedsnachricht wird ein Chauvi-Arschloch nie bekommen. Der bekommt eher so eine Nachricht:
„Hey du, möchte dir nur noch gesagt haben, dass ich dich zum Kotzen finde. Deine Ansichten und dein Verhalten waren wirklich das Allerletzte. Darüber sollten wir uns dringend nochmal unterhalten. Hier ist meine Smartphone-Nummer: … “

Hah! Ich höre an dieser Stelle meine weibliche Leserschaft aufgeregt aufschreien:
„Stimmt ja gar nicht!“
„Ist doch gar nicht wahr.“
„Du hast einfach nur immer die falschen Frauen getroffen.“
„Du bist einfach nur verbittert, lass es doch mal ruhiger angehen.“
Da kann ich nur entgegnen: Frauen, lügt euch doch nicht selbst in die Tasche. So wie ich es dargestellt habe, genau so ist es. Seid doch endlich mal ehrlich und gebt zu, dass ihr am liebsten arrogant und fies behandelt werden wollt. Zumindest am Anfang. Wenn die erste Leidenschaft abgekühlt ist, soll der Mann dann auf einmal nett und zuverlässig sein. Geht’s noch? Lebt ihr wirklich alle auf diesem Planeten und nicht hinter dem Mond?

Und, Frauen! Wisst ihr, woher das alles kommt? Ihr glotzt zuviele Hollywood-Filme oder TV-Schmonzetten. Da wird euch nämlich seit Jahrzehnten vorgeführt, dass sich der anfangs unsympathische Typ eigentlich doch als ganz Netter entpuppt. Am Anfang ranzt er die Frau noch an, aber am Schluss zeigt er dann doch seine weiche und liebe Seite.
So hättet ihr das gerne, gell? So läuft das aber nicht in Wirklichkeit. Das Arschloch vom Anfang bleibt auch am Schluss das Arschloch. Und wird sogar noch schlimmer. Kapiert?

So, war das jetzt böse genug, Cordula? Hat es Spaß gemacht, das zu lesen? Auf jeden Fall hat es enormen Spaß gemacht, das zu schreiben. Ich sollte Zyniker bleiben, das ist ja so einfach.

 

Nachtrag:
Dieses widerwärtige Pamphlet eines Frustrierten ist wirklich oberpeinlich. Ich sollte es löschen. Auf jeden Fall bleibt es nur eine kurze Zeit online. Jan Böhmermann wäre das ja egal, der hat schon Härteres losgelassen, aber ich bin nicht Jan Böhmermann und möchte mir auch nicht den Zorn der gesamten holden Weiblichkeit aufbürden.
Frauen sind was Wunderbares. Jajaja. Darauf den Rosenkranz beten und immer wieder vor sich hin murmeln: „Frauen sind was Wunderbares, Frauen sind was…“
 

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Trotzdem hat sich Herr Harant inspiriert gefühlt und endlich mal wieder was fürs Ohr beigesteuert.

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