seifeoel

Liebe Leser,

letzte Woche bin ich verbal über das schöne Geschlecht hergefallen, dass es nicht mehr feierlich war. Mich plagt nun das schlechte Gewissen – ich will es wieder gutmachen. Obwohl von mir die Wahrheit teilweise tangiert wurde, war es echt nicht nötig, sich so aufzuführen.
Mein bester Freund Hans sagte: „Damit wirst du Applaus von den falschen Leuten bekommen, so ein Frauen-Bashing kannst du auch in den Rap-Texten von Typen wie Kollegah lesen.“ Oh Gott, was habe ich getan! Mich in einen Topf mit Arschkopf Kollegah zu schmeißen – noch brutaler hätte man mich nicht treffen können!

Deshalb erstmal einen Zentner Asche auf mein Haupt und dann nachfolgend ein Bericht darüber, dass Frauen durchaus auch viel Gutes zu bieten haben – das habe ich selbst im vergangenen Sommer erlebt.

. . . . .

Die zauberhafte Brit aus Ingolstadt hatte – als wir händchenhaltend um den Ingolstädter Baggersee flanierten – ein kleines Probefläschen mit sehr delikatem Sonnenöl dabei, von welchem sie mir ein paar Tropfen spendete, um damit meinen Nacken zu benetzen. Das prickelte und tat so unglaublich wohl, dass ich mir unverzüglich das Probefläschen unter den Nagel riss. Brit erklärte mir, dass dieses Öl nicht nur für das Sonnenbräunen hervorragend geeignet sei – auch nach dem morgendlichen Duschritual sei es für die angefeuchtete Haut ein hinreißender Genuss.
Wieder daheim, habe ich zeitnah beim Beck am Rathauseck eine große Flasche mit dem rotgoldenen Sud erworben: LIGNE ST. BARTH, Tanning Oil, ROUCOU. Eine beachtliche Investition, aber feine Dinge kosten halt.
Brit wird mir wohl leider nie mehr unter die Augen kommen, aber das Öl ist noch da und soll meine Haut die nächsten zwei Jahre liebkosen.

. . . . .

Mit der wunderbaren Gaby aus der Ludwigsvorstadt war ich ein herbstliches Wochenende in Tirol – wir besuchten die ganz possierliche Stadt Rattenberg. Dort haben sogar am Sonntag so manche Glück spendende Läden geöffnet. Im Liebesrausch kaufte ich ein superduperflauschiges Fell eines Lamms, welchem irgendwo auf der großbritischen Insel das Leben genommen worden war. Ich dachte, das weißbraun melierte Fell würde die barfüßige Gaby und mich (ebenfalls barfüßig) auf dem Parkett vor dem Liebesbett umzärteln.
Nun – Gaby hat sich schneller aus meinem Leben verzogen, als ich das Fell auf den Schlafzimmerboden schmeißen konnte. Inzwischen fristet es sein kuscheliges Dasein auf meinem Ledersessel – und wird mich sicher noch Dekaden meines Lebens begleiten.

. . . . .

Mit der göttlichen Claudia aus Gauting besuchte ich einen blendenden Bootssteg am Westufer des heißsommerlichen Starnberger Sees. Ich teilte der Dame dezent mit, dass mein silbergraues Nike-Air-Fußgewand ein paar sichtbare bräunliche Flecken abbekommen hatte. Die ebenfalls blendende Claudia gab mir den heißen Tipp, ich solle doch die Schuhe einfach in einen Kopfkissenbezug stecken und dann dieses Gesamtpaket in die Waschmaschine. Danach wären die Schüchlein wie neu.
Leider war das das einzig Heiße, was mir Claudia fürs Leben mitgeben konnte und wollte. Sie ist nun weit weg, aber ich weiß in Zukunft wenigstens, was zu tun ist mit verschmutzten Turnschuhen.

. . . . .

Mit der fantastischen Tanja erlebte ich ein traumhaft romantisches Abendessen auf ihrem Miniaturbalkon im 5. Stock mit Blick weit über den Bavariaring hinaus. Die große Sensation bei Tanja war allerdings das Produkt, welches sie auf ihr Toilettenwaschbecken drapiert hatte: LE PETIT MARSEILLAIS flüssige Seife pur Savon Olive 300 ml – das Original aus Frankreich. Boah, roch diese Flüssigseife gut! Zum Niederknien, ein Festival für die Nase.
Tanja hat mich ziemlich schnell wieder in die freie Wildbahn entlassen, aber die gute Tante Amazon lieferte mir dafür ein 5 Kilo-Paket dieser exquisiten französischen Handseife – ich bin über Jahre versorgt …

. . . . .

… und ziehe das Resümee:
Frauen können tatsächlich eine enorme Bereicherung sein, wie der Leser aufgrund meiner Erlebnisse nachspüren können wird. Sie brechen einem zwar das Herz, wieder und immer wieder, aber dafür hinterlassen sie nützliche Dinge, die viel Trost spenden können.
Man öle sich exklusiv, man seife sich exklusiv, man werfe seine Turnis in die Waschmaschine und sich selbst splitternackt ins flauschige Fell.
Gibt es Schöneres? Ist das denn nicht genug? Ein Ungenügsam, wer mehr verlangt für sein armseliges Leben.

abstand-linie