nikolaus

Liebe Leser,

zur aktuellen Adventszeit hat mich mich mein allerliebster Freund Hansi S. ganz toll überrascht mit einer wahrheitsgemäßen Anekdote aus dem Jahre 1981, als wir beide noch jung und schön waren. Im Folgenden O-Ton Hansi:

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An dieser Stelle möchte ich aus gegebenem Anlass – heute ist in Bayern Nikolausabend – dem Zinkl eine Anregung geben, einen Schwank aus der Zinklschen Zivildienstzeit zum Besten zu geben, in der wir als Nikolaus-Krampus-Gespann in einem Altersheim ein Engagement hatten.

Ach was, ich erzähle das auf die Schnelle selbst, so wie ich es in Erinnerung habe:
Toni hatte einen sehr kommoden Job als Bürohilfskraft in einem Markt Schwabener Altersheim, weil er als angeblicher Pazifist den Dienst an der Waffe verweigert hatte (obwohl er nichts mehr liebt als Action-Filme, wo das Blut nur so spritzt!).

Zum Nikolaustag hatte die Heimleitung (oder wer auch immer) die grandiose Idee, die alten Leute mit Nikolaus & Krampus zu bespaßen, sprich zu loben oder zu rügen – je nachdem, ob sie brav waren oder nicht. In diesem Altersheim hieß „brav“ sein, den Pflegern möglichst wenig Arbeit zu machen, seine Pillen zu schlucken, nicht zu jammern und NIEMALS die Nachtglocke zu betätigen. Wir bekamen also einen Zettel in die Hand gedrückt, auf dem zu jedem Insassen (ja, das Altersheim war eigentlich ein Ü-80-Knast) ein paar Bemerkungen (Lob & Tadel) standen. Toni las als heiliger Mann mit Rauschebart und tiefer Nikolo-Stimme diese Texte vor und hob den Zeigefinger, während ich in einen dunklen Pelz gewandet als buckliger Krampus böse grunzen und mit einer Kette rasseln sollte, wenn es etwas zu tadeln gab.

Als begeisterte Nachwuchsschauspieler nahmen wir diese Aufgabe mit Feuereifer an, tadelten, lobten, hoben Stab und Zeigefinger, rasselten und grunzten grauslig wie der Leibhaftige selbst. Mit der Zeit merkten wir aber, dass die hinterfotzigen Pfleger fast nur Gemeinheiten aufgeschrieben hatten, um die Senioren einzuschüchtern und gefügig zu machen. Zimmer für Zimmer hinterließen wir zitternde, bettnässende Greise und bekamen ein immer mulmigeres Gefühl, dass hier etwas verdammt schief lief.

Schließlich kamen wir in einen Raum, in dem eine sehr schwach wirkende Dame lag. Der Nikolaus tadelte: „Nachts jammern sie herum und rufen ständig den Nachtdienst! Das gehört sich nicht, Frau Wanninger!“ Der Krampus wollte gerade lospoltern, da sagte die Frau mit zitternder Stimme: „Ach, weil ich halt so furchtbare Schmerzen habe!“ – und ihre Augen füllten sich mit Tränen. Da war für uns das Maß voll, wir sahen uns an, schlichen beschämt hinaus und brachen das perverse Spektakel ab.

Jahre später traten wir dann noch mehrmals vor Tonis Tochter Marlena auf – und da waren wir das sanftmütigste, liebenswürdigste und einfühlsamste Nikolo-Krampus-Gespann, das je in Bayern gesehen ward!

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