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Liebe Leser,

bei meinen Berichten schließe ich nicht aus, dass ich manchmal Flunkereien einbaue, um die Dramatik zu erhöhen oder um es lustiger zu machen. Das ist ja im Bereich des Erlaubten, wenn man unterhaltsame Blogs anbieten möchte.
Aber diese nachfolgende Geschichte ist von vorne bis hinten wahr in allen Details, das schwöre ich. Wenn es nicht die Wahrheit wäre, wäre es auch komplett witzlos. Folgendes trug sich also zu:

Ich habe mich bei den ebay-Kleinanzeigen herumgetrieben und geforscht, ob es ein günstiges Angebot für einen iPod Touch 128 GB gibt. Das ist ein Gerät von Apple, sieht aus wie ein kleines iPhone und ist vor allem als Musikspeicher und -hörgerät ganz vorzüglich.
Ich traute meinen Augen nicht, als ich folgende Kleinanzeige von einem gewissen Huber in Schongau las:
Tausche meinen iPod touch 6g 128 GB gegen Windeln

Ich dachte mir natürlich, was für ein Scherzkeks, der muss nicht mehr alle Tassen im Schrank haben. Aber ich war angetriggert, weil ich stets offen bin für Absurditäten. Also habe ich dem Anbieter am 6. März geschrieben:

Lieber Herr Huber,
ihre Anzeige ist so kurios, dass ich neugierigerweise anfrage. Ist Ihr Gerät kaputt? Oder sollen die Windeln mit Edelsteinen gefüllt sein? Ich bin auf der Suche nach einem günstigen blauen iPod Touch 128 GB, aber natürlich sollte er einwandfrei funktionieren. Den Versand von Windeln bekomme ich hin.
Herzlichen Gruß, Anton Zinkl

Am gleichen Tag kam eine Antwort:
In meiner Anzeige steht das ich nicht versende

Daraufhin gab ich keine Rückanwort, wahrscheinlich war die Sache doch nur ein Fake. Aber sechs Tage später schrieb Huber erneut:
Ein anderweitiger Tausch wäre möglich

Ich antwortete nun wieder:
Was für einen Tausch stellen Sie sich vor? Ich kann auch zu Ihnen fahren. Wo wohnen Sie genau? Funktioniert der iPod einwandfrei?
Grüße, A. Zinkl

Folgender E-Mail-Dialog erstreckte sich über zwei Wochen, denn Herr Huber brauchte für seine Antworten immer ziemlich lange (hier wiedergegeben auch der Originalwortlaut inkl. Tippfehler):

Huber:
Er funktioniert einwandfrei

Zinkl:
Ich bin interessiert. Können wir dazu telefonieren? Was wollen Sie gegen den iPod eingetauscht bekommen?

Huber:
2 Packungen Drynites gegen den iPod

Zinkl:
Okay. Wohin soll ich Ihnen die Packungen bringen? Und wann?

Huber:
…* in Schongau

Zinkl:
Hallo Herr Huber,
danke für die Adresse. Brauchen Sie Windeln für Jungen oder Mädchen?

Huber:
Jungen

Zinkl:
Ich könnte am nächsten Sonntagmittag kommen. Passt 13 Uhr?

Huber:
Ja

Zinkl:
Haben Sie zur Sicherheit auch eine Telefonnummer, mit der ich Sie erreichen kann?

Huber:
Wird momentan schwierig, da das mit der Rufnummer Mitnahme nicht geklappt hat

Zinkl:
Es sind von mir aus ungefähr 90 km nach Schongau. Den Ausflug mache ich gern, aber kann ich mich wirklich darauf verlassen, dass der Handel gilt? Und dass Sie dann auch da sind? Die Sache ist ja höchst ungewöhnlich. Ich habe nichts gegen ungewöhnliche Aktionen, aber Bedenken habe ich natürlich schon. Ich bringe zwei Packungen Drynites mit. Für Jungen. Welche Größe soll es denn sein?

Huber:
Größe 8

Zinkl:
Hallo Herr Huber,
es bleibt von meiner Seite aus bei kommendem Sonntag, 13 Uhr. Ich nehme die kleine Reise zum Anlass, mir auch Schongau anzuschauen. Die zwei Packungen Drynites für Jungen Größe 8 habe ich dabei. Bitte schreiben Sie mir nochmal, dass es auch von Ihrer Seite aus klappt.

Huber:
Klappt bei mir

Nun darf ich anmerken, dass ich mir gedacht habe: Wenn ich jetzt wirklich nach Schongau fahre, am Sonntagmittag, und dort wohnt ein Irrer, der mit einem langen Messer auf mich losgeht und mir das Herz herausschneidet, dann hat sich die Sache nicht gelohnt. Ich kann mir einen iPod touch auch auf normale Weise besorgen.
Und ich dachte mir noch: Ich sollte vielleicht einen Begleiter mitnehmen. Im Allgäu ist es ja schön, das kann doch ein netter Ausflug sein.

Also fragte ich meinen besten Freund Hans, ob er mich als Bodyguard begleiten könne. Leider kniff Hans aus terminlichen Gründen, aber zufälligerweise hat seine liebe Gattin Isa eine sehr gute Freundin, nämlich die Christiane, und diese wohnt wo? Ausgerechnet zufällig in Schongau, schau einer an!
Hans stellte für mich den Kontakt her – und ich beschrieb Christiane den sonderlichen Fall. Die liebe Christiane war so nett, mir mitzuteilen, dass sie wiederum eine sehr gute Freundin habe, die Dora, welche – man glaubt es wirklich kaum! – in genau dieser Straße wohnt. Sie ist damit eine Nachbarin von meinem ominösen Herrn Huber.
Dora teilte Christiane (und damit auch mir) mit, dass ihr keine Person namens Huber in ihrer Straße bekannt sei.

Ich war entsetzt und schrieb an Huber:

Hallo Herr Huber,
meine Bekannte in Schongau hat zufällig eine Freundin, die wohnt auch in Ihrer Straße. Das ist ja dann eine Nachbarin von Ihnen! Diese Dame wusste aber nichts von einem Herrn Huber, der in der …* wohnt. Und das kommt mir doch sehr komisch vor.
Ich komme ungern nach Schongau und dann sind Sie nicht dort! Bitte klären Sie das, damit ich den Weg nicht umsonst mache.
Danke und Grüße, Anton Zinkl

Huber:
Ich wohne da seit 5 Jahren …

Zinkl:
Ich komme am Sonntag nach Schongau. In die …*
Wenn wir uns sehen, gut. Wenn nicht, auch keine Katastrophe, dann schaue ich mir den Ort an.

Huber:
Dann bis Sonntag

Man wird mich für verrückt halten, dass ich unter diesen lausigen kommunikativen Umständen trotzdem vorhatte, den Weg auf mich zu nehmen.

Aber wisst ihr, was den Ausschlag für die Reise zum Windel-Huber gegeben hat? Die Tatsache, dass ich diese Geschichte hier zu Ende erzählen muss, auch wenn sich der Handel als großer Flop herausstellen wird.

Ich weiß morgen mehr darüber und ihr, liebe Leser, nächste Woche (wenn ich dann noch am Leben bin).

* Straße wird aus datenschutzrechtlichen Gründen geheimgehalten.

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