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Liebe Leser,

es ist vielleicht noch nicht so bekannt geworden, aber man nennt Zinkl auch „den Reisenden“. Er ist zwar wirklich gerne in seinem Stubenhockerberuf tätig, aber aufblühen, so richtig aufblühen, das kann er erst bei der Erkundung fremder Ländereien.

Ich meine mit der Reiserei freilich nicht die Oberpfalz oder die Lüneburger Heide, ach was! Sondern den Hindukusch oder den Tschad oder die Aleuten oder Feuerland!

Jetzt im kommenden Mai soll es Usbekistan sein, man hat es mir schmackhaft gemacht, die altehrwürdige Seidenstraße, den samarkandischen Orient aus 1001 Nacht, die Basare, die allerprächtigsten Moscheen und liebenswürdigsten Menschen, die man sich nur vorstellen kann.

Apropos „Schmackhaft machen“: Das ist diesbezüglich schon eine Kunst beim Zinkl, welcher ja bereits Wien ziemlich exotisch findet und arges Muffelsausen bekommt, wenn er die tschechische Grenze überschreiten soll.
Die Zeiten, als er eine Art Alexander von Humboldt gewesen ist, sind längst vorbei. Ja, genau, in seiner Sturm- und Drangzeit war Zinkl tatsächlich mal am isländischen Gletscher, an der Pazifikküste Mexikos, am seychellischen Palmenstrand und auf Safari in Kenia gewesen. Aber, wie gesagt, das ist Jahrzehnte her. Eigentlich wollte er Europa nicht mehr verlassen, in diesen unruhigen Zeiten.

Aber Zinkl denkt, und die Frau lenkt.

Um mich einzugrooven, habe ich mir bei der Firma KUNST UND MAGIE eine orientalisch anmutende Pluderhose gekauft. Sie ist beige und hat riesige dunkelbraune Ornamente aufgestickt. Darin sehe ich ein wenig lächerlich aus, vor allem wenn ich dazu meine knallblaue Daunenjacke aus Südtirol trage sowie feste Turnschuhe von Puma.
Es ist aber auch schwer, aktuell hierzulande: Pluderhosen sind einfach nicht für frostiges nieselndes bayerisches Winterwetter erzeugt worden. Man muss sie in der rötlich schimmernden Wüste Kysylkum tragen, auf dem Weg zu der legendären Oasenstadt Buchara.

Ich teste die Hose hier aber ausführlich auf ihren Tragekomfort, bevor ich mit ihr nach Taschkent fliege. Eine lange Hose wird mir in der usbekischen Affenhitze zwar vielleicht zu warm sein, aber man lässt mich ja sicher mit Shorts nicht in die goldenen Moscheen rein. Altes lästiges Religionssittenregelwerk.

Wo liegt eigentlich dieses dubiose Usbekistan? Er ist jedenfalls umgeben von Ländern, die alle mit „an“ enden: Turkmenistan, Tadschikistan, Kirgisistan, Aserbaidschan, Afghanistan. Das wird schon mal eine harte Umstellung werden. Bin ja Orte gewohnt, die mit „ing“ enden: Anzing, Poing, Forstinning, Moosinning, Aying, Herrsching usw.

Auf alle Fälle war Alexander der Große schon dort, er hatte 329 vor Christus die über alle Maßen märchenhafte Stadt Samarkand bewundert und erobert.
Rund tausend Jahre später: Ein Krüppel und einer der skrupellosesten Eroberer der Weltgeschichte war Timur, den seine Feinde „den Lahmen“ und der sich selbst „Allahs Schatten auf Erden“ nannte. Zwischen 1370 und 1405 schuf er ein riesenhaftes, doch auf den tönernen Füßen des Terrors stehendes Reich, das von Anatolien bis nach Indien, von Syrien bis nach Persien, von Georgien bis fast an die Grenze der Mongolei reichte. Und er tränkte dabei die Erde mit Strömen von Blut. Hunderttausend Gefangene ließ er bei der Eroberung von Delhi hinrichten, hunderttausend Menschenschädel bei der Unterwerfung von Bagdad zu Pyramiden auftürmen und Hunderttausende von Handwerkern bei seinen Feldzügen nach Samarkand verschleppen, um seine Hauptstadt in die strahlendste Perle des Planeten zu verwandeln. Dabei wurde sie schon lange zuvor als ein Ort von überirdischer Anmut gerühmt.

Guter bayerischer Gott, hoffentlich lebt dieser Timur nicht mehr, ich will ihm in Samarkand nicht begegnen. Will doch nur ein paar hübsche Mosaike fotografieren, keinen Durchfall bekommen, nicht verlorengehen.
Apropos „Verlorengehen“: Man lese bitte Daniel Kehlmanns brillanten Roman „Ruhm“ und daraus das fünfte Kapitel „Osten“. Ich will hier keine Inhaltsangabe bringen. Bitte einfach lesen, denn dann ist nachzuvollziehen, welche argen Vorahnungen mich umtreiben…

Ach was, das wird wunderschön werden. Ist ja schließlich eine Gruppenreise mit einem findigen Reiseleiter, der sich voll auskennt. Der wird einem schon sagen, ob man die Suppen Schurpa und Naryn, den Salat Bachor, die Hauptgerichte Plow, Mantı, Laghman und die Nachspeise Halwa essen oder in Taschkent doch lieber zu McDonalds gehen soll. Gibt es wirklich, habe ich gegoogelt. Wo es McDonalds gibt, fühle ich mich safe. Das klingt total irrsinnig, aber der Gedanke hat was.

Ich werde meinen Rucksack mit 50 Bio-Fruchtschnitten aus dem Münchner Basic-Laden befüllen, dann muss ich in der 200.000 km² großen Wüste Kysylkum keine giftigen Gila-Echsen jagen und braten.
Genau, man wird mir nicht vorwerfen können, dass ich mich auf diese Reise nicht intensiv vorbereitet habe. Einen echten Globetrotter kann nichts aus der Ruhe bringen.

Ich will dann Ende Mai mit Sabine zurückkommen, auf einem fliegenden Teppich auf dem Flughafen Franz Josef Strauß (der bayerische Timur) landen, Aladins Wunderlampe auspacken und mir sagenhafte Dinge wünschen.

Näheres dazu folgt bald in diesem Theater!

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