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Liebe Freunde,

erst kürzlich las ich in einem Artikel, dass sich der Mensch bis zu vier Mal in der Stunde ins Gesicht langt. Wenn er daheim ist, angeblich sogar über zwanzig Mal. Das hat vor wenigen Monaten noch kein Schwein interessiert, aber ich darf dazu ungestraft die höchst originelle Platitüde raushauen: „Die Zeiten haben sich geändert.“

Zinkl himself ist auch so ein penetranter Inseigenegesichthineinlanger, das war er schon immer. Als Jugendlicher hatte er die scheußliche Angewohnheit, Nägel zu kauen und brachte es in dieser Fertigkeit zu Höchstleistungen. Er schämte sich dafür trotzdem sehr, und es war ein langwieriger und harter Prozess, sich das abzugewöhnen.

Dann das Nasenbohren. Dazu habe ich schon mal einen ekligen Blog abgeliefert, ziemlich eklig war der (Blog 010 vom 30. Dezember 2017). Als ich vor zwei Jahren anfing, jeden zweiten Tag einen Kilometer zu schwimmen, waren meine Nasenhöhlen in kürzester Zeit so gut durchfeuchtet, dass die Finger darin keine Aufgabe mehr fanden. Das war eine Wohltat, aber damit ist es mangels Swimming Pool jetzt auch erstmal vorbei: Das Naseninnere verkrustet wieder hemmungslos, ich hasse es.

Darüber hinaus gibt es weitere tausend gute Gründe, sich mit den Fingern in Augen, Ohren und Mund hineinzufassen. Manchmal geht es auch nur darum zu prüfen, ob Stirn, Backen und Kinn noch vorhanden sind. Muss ich Gründe aufzählen? Na gut, ein paar wenige zur Veranschaulichung:

Ein Lama spuckt einem ins linke Auge.

Ein Ohrwuzler (Markt Schwabener Ausdruck für den Gemeinen Ohrwurm Forficula auricularia) krabbelt einem ins rechte Ohr.

Kartoffelchips-Restbestände lagern sich zwischen den hinteren Zähnen ab.

Die starke Aprilsonne könnte einem die Stirn ansengen und vorsichtshalber nimmt man deshalb Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 5.

Man denkt konzentriert nach, das geht aber nur, wenn man sich das Kinn reibt.

Man will seine Fahrradhandschuhe abnehmen, um das iPhone zu bedienen und zieht sie deswegen mit den Zähnen von den Fingern, weil man nur eine Hand frei hat (grausige Vorstellung, dass man damit fünf Minuten vorher an der Supermarktkasse den Pin-Code seiner EC-Karte eingegeben hat).

Und so weiter. Der geneigte Leser sei hier aufgefordert, ebenfalls ein paar gute Gründe beizusteuern, in der ja nicht gerade überstrapazierten Kommentarfunktion meines Blogs.

Berühmt geworden ist der deutsche Fußballnationaltrainer, weil er sich gerne an speziellen Körperbereichen berührt und danach seine Finger abschnuppert. Ich verstehe das total, finde es auch sehr sympathisch an ihm. Man muss doch schließlich herausfinden, ob es mal wieder Zeit wird, sein Gemächt einzuseifen. Ein reinlicher Mensch prüft das regelmäßig. Chapeau, Yogi.

Dass man sich wegen der affigen Mundschutzmaske nun noch öfter an den Kopf langt, ist selbstredend und das Thema wortwörtlich in aller Munde.
Inzwischen ist man auch bestens darüber informiert, dass so eine Maske alle möglichen Viren wie ein Magnet anzieht, und man trüge alsbald einen kompletten Mikrozoo mit sich herum, wenn man denn Viren als Tiere bezeichnen könnte. Kann man aber nicht, denn diese gehören im Gegensatz zu Bakterien, Pflanzen oder Tieren nicht zu den Lebewesen. Behauptet das allwissende Google-Lexikon.

Der Virus, das Mysterium. Hat ihn Gott ebenfalls erschaffen? Aber wann? Nachdem er eingesehen hat, dass seine Krone der Schöpfung nicht viel taugt und wieder weg muss? Darwin konnte dazu nichts beisteuern, denn in seiner Zeit wusste man ja noch nicht das Geringste über den Virus.

Wie kann man es sich nun abgewöhnen, das ständige Insgesichtfassen? Ganz einfach: Man hackt sich den Kopf ab. HAHAHA. Wahnsinnig lustig.

Wenn es einen juckt, muss man halt eine Messinggabel nehmen, die sollte man aber auch unterwegs immer griffbereit haben. Zahnstocher müssen ebenfalls stets parat sein, für die Kartoffelchipsrestbestände.
Wenn einem ein Grashüpfer ins Auge gesprungen ist, muss man sich den Inhalt seiner Thermoskanne ins Gesicht schütten, um ihn wieder rauszuspülen.
Wenn man sich das Gesicht mit Nivea eincremen will (beim Zinkl ein MUSS), dann braucht man dafür spezielle Nivea-Handschuhe und für diese wiederum spezielle Nivea-Handschuh-Tütelchen.

Für den ganzen Kram, den man deshalb ab sofort mit sich mitschleppen muss, hat man einen praktischen Rucksack. Der Zinkl besitzt Gott sei Dank davon ein ganzes Batallion, bestellt über Instagram bei asiatischen Händlern. Aber mit diesen von seinen Freunden mit Recht schon sehr kritisch beäugten Käufen hat er inzwischen völlig aufgehört. Die Chinesen sind bei ihm nämlich in Ungnade gefallen, weil sie alleine schuld daran sind, dass man sich nicht mehr ins Gesicht langen darf.

Das wäre dann also DIE Herausforderung nach dem ersten Fünftel des 21. Jahrhunderts: Sein eigenes Antlitz haptisch nicht mehr wahrnehmen zu dürfen! Mensch!
Und wenn man schon unbedingt prüfen will, wie man wo riecht, dann wenigstens mit den Fingern nicht die Nase berühren. Yogi!

Jetzt ist mir abschließend noch eine formidable Idee gekommen! Es müssen Handschuhe konstruiert und angeboten werden, bei denen an den Fingerspitzen kleine Elektroschock-Applikationen angebracht sind. Sobald man sich damit ans Gesicht fasst, bekommt man schmerzhafte Schläge, die zu Rötungen und vorübergehender Taubheit führen.
Von staatlicher Seite müsste dann das ständige Tragen dieser elektrischen Handschuhe verordnet werden, auch während des nächtlichen Schlafes. Wer beim Nichttragen erwischt wird, wird mit einer hohen Geldstrafe diszipliniert, genauso wie das bei der Nichtverwendung von Masken in Geschäften bereits der Fall ist.

Jawohl: Gesichtsschmerzhandschuhe. Eine Maßnahme, die längst überfällig geworden ist in Zeiten, in denen das Wünschen schon lange nicht mehr hilft.

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