Liebe Leser,

normalerweise berichte ich über Erlebnisse, die bereits geschehen sind. Aber diesmal geht es um die Ankündigung eines spektakulären Events: den Besuch des Franz-Eberhofer-Kreisels!

Wer kennt den Franz Eberhofer nicht? Der kann es googeln oder hier weiterlesen. Meine liebe Alexandra ist ein großer Fan der bayerischen „Krimi“-Verfilmungen mit den Herren Bezzel und Schwarz, mit dem kiffenden Eisi Gulp und der harschen Oma Enzi Fuchs. Nicht zu vergessen den legendären Sigi Zimmerschied, das Passauer Urgestein, einst in seinem Filmkunstwerk „Schartl“ von 1994 ein sehr gnadenloser Lokalkolorist, inzwischen der altersmilde Nebendarsteller und Veredler vieler bayerischer Lustspiele.

Ich habe mittlerweile auch alle Folgen geschaut, kann mir bloß die chronologische Reihenfolge von „Dampfnudelblues“, „Winterkartoffelknödel“, Schweinskopf al dente“, „Grießnockerlaffäre“ und „Sauerkrautkoma“ ums Verrecken nicht merken. Aber weil ich da wohl nicht der einzige bin, habe ich mir extra für euch, liebe Leser, die Mühe gemacht, die fünf Filme hier in korrekter Abfolge aufzuzählen. Alexandra hat mir dabei geholfen, indem sie mir ihre kostbare Kruzifünferl-Box geliehen hat, natürlich die BluRay-Version, damit man auch jede Falte von der 84-jährigen Eberhoferoma genauestens studieren kann — das ist schon eine Freude und ein Genuss.

Ach ja, was die Reihenfolge der Komödien betrifft: Der sechste Teil „Kaiserschmarrndrama“ wird schon seit vielen Monaten an den Litfasssäulen angekündigt und wartet geduldig auf das Ende von Corona. Ja mei, da kann er wohl leider noch lange warten. Ich hoffe, das Kaiserschmarrndrama schmeckt auch noch, wenn eines Tages die Kinos wieder öffnen dürfen. Aber die Filme sind ja praktisch zeitlos — und es darf als gesichert gelten, dass Eberhofer und Birkenberger diesmal nicht mit FFP2-Masken ermitteln müssen.

Überhaupt wundert es mich, mit welcher Beharrlichkeit die unzähligen deutschen Kriminalfilme die Tatsache des Maskentragenmüssens ignorieren, so als wäre die Pandemie nur ein übergangsweiser Zustand. Weder Kommissar Borowski noch Leitmayr und Batic hat man bisher vermummt agieren sehen. Nur beim jüngsten Dortmunder Tatort mit Faber konnte ich ein paar unwichtige Protagonisten erkennen, die einen Mund-Nasen-Schutz trugen. Das hat mir gefallen, irgendwie bekam der Film dadurch was leicht Dokumentarisches.
Ich finde, die Drehbuchschreiberlinge vergeben sich durch die Maskennegierung so einige gute Jokes. Wäre doch schön, wenn der Stuttgarter Ermittler Richy Müller mit seiner großen Nase Atemprobleme bekäme unter der Maske, so wie ich sie habe, wenn mir beim Discounter Lidl regelmäßig leicht schummerig wird und ich mir die vernebelte Brille von der Nase reißen muss, damit ich nicht das Kartoffelchipsregal ramme.

Doch zurück zum Event! Alexandra und der Zinkltoni planen, am Wochenende mit dem guten Regional-Express samt ihrer beiden treuen e-Bikes nach Dingolfing zu reisen. Dort werden sie 25 Kilometer radeln, bis ins beschauliche Frontenhausen.
Nämlich weil: In Frontenhausen hat man kürzlich eine eigentlich recht profane Kreisverkehrsstraße geadelt, indem man sie taufte auf den Namen „Franz-Eberhofer-Kreisel“. Wer die Filme kennt, weiß natürlich, dass sich die Hauptdarsteller dort in der niederbayerischen Pampa regelmäßig in mehr oder weniger betrunkendem Zustand mehrmals mit erhöhter Geschwindigkeit um 360 Grad drehen. Das ist durchaus mit Humor zu betrachten.

Weil AB & AZ so vernünftig sind, nicht nach Mallorca zu fliegen, sondern lieber in heimischen Gefilden verweilen, weil die beiden aber doch auch mal raus wollen ins frühlingsfrische Hinterland: So kamen sie auf die großartige Idee, diesen legendären Kreisel zu suchen und zu beradfahren — allerdings freilich ohne alkoholische Unterstützung. Und leider auch ohne Schweinskopf al dente oder Kaiserschmarrn, das kann man ja total vergessen, dank nachhaltiger Corona-Ausdörrung auch der ländlichen Gastronomie.

Damit wir aber möglichst originalgetreu agieren, werden wir uns beim Frontenhausener Metzger (ich hoffe, es ist der Herr Simmerl alias Stephan Zinner) zumindest Leberkässemmeln leisten und diese während unserer fröhlichen Umrundungen vertilgen. Das muss ja wohl drin sein dürfen, in dieser Zeit der unbarmherzigen Trostlosigkeit.

Wir beiden Hübschen werden dann nach einigem Kreiseln zurückradeln zum Frontenhausener Hauptbahnhof (einen anderen wird es wohl kaum geben) und wieder brav heimtuckern mit unserem Regio-Ticket Donau-Isar. So ist es zumindest geplant.
Liebend gerne würde ich ja mit Alexandra in Frontenhausen übernachten, aber das ist ebenfalls, niemand wundert es, not possible. Egal, so spart man sich auch wieder Geld, das kann ich dann seelenruhig in meine mittlerweile ziemlich kostspielige Modelleisenbahn investieren.

Wenn alles gut geht, werde ich vielleicht nächste Woche berichten, was uns geschehen ist, im niederbayerischen Kreisel und ob wir dort sogar dem Filmteam begegnet sind, beim Dreh vom siebten Teil „Covidlüngerlmalheur“.

Bis dahin empfehle ich wärmstens die Kruzifünferl-Box denen, die sie noch nicht kennen.

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