172_Vatikan

Liebe Lesende,

Die Tagesschau-App hat mir gestern mitgeteilt, dass der Vatikan ein Veto eingelegt hat gegen die Planung des italienischen Parlaments, ein Anti-Homophobie-Gesetz einzuführen, welches Schwulen, Lesben, Trans- und Bisexuellen mehr Schutz bieten soll.
Man zeige sich darüber irritiert, dass sich künftig alle Schülerinnen und Schüler in Italien einmal im Jahr mit dem Thema Homo-, Trans- und Bisexualität auseinandersetzen sollen. Das sei ein alarmierendes Gesetz, und man sei sehr besorgt, dass dies die Struktur der Menschen verändern könnte.

Jaja, der Vatikan. „Brüder im Nebel“ nannte ein deutscher Bischofsbericht Priester, die sich an Kindern vergangen haben. Da wünsche ich mir sehr ein Dimensionsloch wie aus Stephen Kings „Der Nebel“-Verfilmung, aus welchem gewaltige fleischfressende Monster heraussteigen. Um sich an diesen Brüdern gütlich zu tun. Und an dem ganzen Vatikanverein gleich mit.

Ich könnte noch eimerweise böse Worte vergießen zu diesem Thema, aber wisst ihr was? Das ist im Endeffekt nur selbstverletztend. Zynismus vergiften Seele, genauso wie Angst essen Seele auf (R. W. Fassbinder). Daher verlasse ich diesen unheiligen Fleck ganz flott und schreibe lieber über mein neues Auto.

Mein neues Auto ist ein zwölf Jahre altes Auto. Es wurde nach einer Frau benannt, es ist silberfarben und hat an jeder Türinnenseite einen Platz für ein Getränk. Es schnurrt beim Fahren wie ein braves Kätzchen. Wenn man sich nicht anschnallt, gellt kein ohrenschmerzender Alarmlärm wie beim Smart, sondern man wird nach geraumer Zeit mit einem sanften Tönchen darauf hingewiesen, dass man vergessen habe, sich anzuschnallen. Erst wenn man diese freundliche Meldung ignoriert, wird das Auto etwas deutlicher. Was aber auch in Ordnung so ist.

Mein neues altes Auto hat keine Navigationsunterstützung, es hat keinen modernen Bordcomputer, sondern ein retrospektives Audiosystem, mit welchem man Radiohören kann oder eine CD einlegen. Nix da iPhone-Bluetooth-Verbindung für Spotifyhören. Nix da USB. Das hat mich zuerst irritiert und ich wollte mir sofort eine zeitgemäße Anlage reinbauen lassen.
Aber dann habe ich mir überlegt: Zinkl, du bist ein altmodischer Knochen, komm’, das passt doch zu dir. Hol dir aus deinem Lager mit den zigtausenden CDs ein paar Raritäten heraus und übergebe sie der Obhut von Opa Benz. Auf dass sie endlich einmal wieder zur Abtastung kommen. Beim Sound allerdings wollte ich keine Kompromisse eingehen, und da muss ich sagen, ist Benz bestens beieinander. Bass voll reingedreht und es wummert, wie es Zinklchen braucht. Er will bei den Songs die Bassmelodie mitsingen können, der Absonderliche.

Fazit: das neue alte Auto macht mich froh. Habe ihm dann noch eine Anhängerkupplung spendiert, damit darauf ein Radlträger Platz findet für die beiden wohlproportionierten Pedelecs von Alexandra und mir. Das war ja auch der eigentliche Grund dafür, dass ich den Smart weggegeben habe: Urlaub in der Ferne mit Schatzi, mit Koffern — und den Stromrädern. Das gesamte Team hat seine Feuerteufe im Altmühltal bereits bestanden, auf geht es demnächst nach Feuerland.

Soso, denkt sich der/die Lesende. Wahnsinnig spannend, was der Zinkl da wieder von sich gibt. Ich kotze gleich, denkt er/sie sich. Hätte er nur weiter über den Vatikan gelästert, das wäre wahrscheinlich ein Stück weit unterhaltsamer gewesen.
Aber Mensch! Ich hatte das böse Traktat ja schon geschrieben, aber ich kann das einfach nicht veröffentlichen. Es ist zu grob. Ich bin da lieber Herr Feinbein.

Apropos grob und Feinbein. Ich schaute in letzter Zeit mit A. die Action-Serie „THE BOYS“. Wer nicht zartbesaitet ist, dem sei sie empfohlen. Es geht um Superhelden, die allerdings ganz im Gegensatz zu den wohlbekannten Guthelden Superman, Batman, Wonder Woman, Spiderman etc. ganz und gar nicht gutheldisch agieren. Sie verhindern keine Verbrechen, sondern begehen sie eher. Ganz großartig abartig der Oberpsycho „Homelander“, ein seelischer Krüppel mit unbezwingbaren Superkräften, der schon mal die Kontrolle verliert und wild herummetzelt.
Diese Serie ist eine ziemlich intelligent geschriebene aber sehr zynische Satire über den Superheldenmythos, über verlogenes Marketing, einen skrupellosen Pharmakonzern — und über die Gier nach Macht und Liebe.

Dass haufenweise Köpfe explodieren (für einen „Supe“ ein Leichtes) und hemmungslos weitere blutige Brutalitäten gezeigt werden, finden wir nicht weiter arg. Was mich persönlich jedoch wirklich abstößt, ist die vulgäre Sprache, welche man dem Hauptdarsteller Billy Butcher in den schwarzbärtig umwachsenen Mund legt.

Sein markantestes und fast ununterbrochen angewandtes Schimpfwort ist das Wort „Fotze“. Selten mal auch „Arsch“ oder „Wichser“, niemals „Dreckskerl“ oder „Sauhund“, nein. Immer nur „Fotze“. Das Wort fällt pro Folge gefühlte fünfzigmal. Ich sollte vielleicht tatsächlich mitzählen.
Jedenfalls verstehe ich es nicht. Wieso macht man die Vulva, dieses ehrenwerte wunderbare weibliche Geschlechtsorgan zu einer solch negativen Sache? Ergibt für mich keinen Sinn. Genauso wenig Sinn ergäbe es für mich, wenn man ständig „Schwanz“ als Schimpfwort verwenden würde. „Du mieser kleiner Schwanz.“ Tut man aber nicht, immer nur „Fotze“. Meistens als Synonym für „Schwächling“ oder „Idiot“ oder „Versager“. Das ist, man kann es drehen und wenden wie man will, absolute Frauenfeindlichkeit. Ob das den Drehbuchautoren bewusst ist? Aber die finden es wahrscheinlich einfach nur „cool“, die Deppen.

Ich war öfters nahe dran, bei dieser ordinären akustischen Dauerberieselung abzuschalten, aber dann explodierte wieder ein Kopf in tausend blutige Fleischstückchen und ich war besänftigt.

Ich hoffe, ich habe nach meiner todlangweiligen Benz-Berichterstattung nochmal die Kurve gekriegt, liebe Lesende. Mensch, ich muss jetzt immer „Lesende“ schreiben, weil das Wort „Leser“ ja nur die Männer anspricht. Irgendwann explodiert mir alten Fotze auch noch der Kopf.

abstand-linie