Liebe Leserinnen und Leser, etc.
(den schönen Begriff Lesexxxxxx lasse ich wieder bleiben, weil er offensichtlich keinen Anklang gefunden hat),

die Top zehn der Energieunternehmen nach CO2-Emissonen zwischen 1965 und 2018, in Milliarden Tonnen CO2:
Saudi Aramco: 61,14
Gazprom: 44,75
Chevron: 43,78
Exxon Mobil: 42,48
National Iranian Oil Co: 36,92
BP: 34,56
Royal Dutch Shell: 32,49
Coal India: 24,33
Pemex: 23,02
Petroleos de Venezuela: 16,02

Sie kämpfen aktiv gegen die europäische Klimaschutzbewegung, indem sie versuchen, ihre Produkte über den Preis und angesichts einer wachsenden Weltbevölkerung in immer neuen Zielstaaten anzubieten. Das Öl-Kartell OPEC und seine Partnerländer (OPEC+) einigten sich erst am Wochenende auf eine deutliche Erhöhung der Ölproduktion.*

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Ja, genau. Orkane, Überschwemmungen, Waldbrände und was sich an Naturgewalten der menschlichen Zivilisation sonst noch entgegenwirft — das kann und wird nicht weniger werden, selbst wenn man alleine in Deutschland alles tut, um dem Einhalt zu gebieten (was ja aber nicht geschieht).

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Man kann wenig tun. Wenn ich ins Fitness-Studio gehe und mir dort über die Lautsprecher ununterbrochen scheußliche Popmusik mit „chic“ computermodifizierten Gesangsstimmen und Motherfucker-Rapmusik in die unschließbaren Ohren schallt, kann ich zumindest Kopfhörer überstülpen und mir angenehme sinfonische Musik des Schweizers Hans Huber geben. Das geht, auch wenn ich dann an den Maschinen noch mehr schwitzen muss.

Ich kann und werde bei mir strenge Mülltrennung einführen, mit fünf verschiedenen, farblich gekennzeichneten Behältern für Papier, Plastik, Glas, Essensreste und löchrige Socken und die Inhalte brav in die Container abgeben, die beim Karstadt am Nordbad stehen, welchen es nicht mehr gibt.

Ich könnte vom E-Bike aufs stromlose Rad umsteigen, was ich jedoch erst tun werde, wenn man mir eine Schusswaffe an die Schläfe setzt. Dafür fahre ich aber kaum noch Auto, auch wenn es mit dem neuen gebrauchten Benz eine große Freude ist.

Was kann ich noch tun, um die Welt zu verbessern? All mein Hab und Gut an die Flutopfer in West- und Süddeutschland spenden. Das könnte ich, aber dazu bin ich nicht aufopferungsvoll genug, tut mir leid.

Wir alle versuchen so gut wie möglich in einer Komfortzone zu leben. Wir wollen glücklich sein und zufrieden. Und uns lieben wie unseren Nächsten, womöglich noch etwas mehr uns, als den Nächsten. Das ist völlig normal und muss auch nicht gebeichtet werden.

Dass die Menschheit ihre Existenzgrundlage unaufhaltbar vernichtet, scheint ausgemachte Sache zu sein. Trotzdem sollte man Hans Huber hören, löchrige Socken von den Glasscherben trennen und nur noch Steaks von Rindviechern der Haltungsklasse vier verspeisen. Damit man später beim Jüngsten Gericht sagen kann: Ich habe da nicht mitgemacht, ich bin doch bloß ein bisserl e-Bike gefahren, schluchz.

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* Daten aus einem „Morning Briefing“ des Journalisten Gabor Steingart, vom 21.07.2021

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