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Liebe Lesende,

kürzlich haben wir gelernt, dass einen das Falten komplexer Origamifiguren in den Wahnsinn treiben kann (Blogs Nr. 192 + 193). Vor allem auch dann, wenn man rechts und links und vorne und hinten und oben und unten nicht immer klar unterscheiden kann im praktischen Leben. So geht es mir halt manchmal.

Ganz anders dagegen gestaltet sich die Sachlage, wenn man es mit dem Lego-Bausatz 75105 Millennium Falcon zu tun hat. Obwohl dessen 1.330 Komponenten in Denmark, Hungary, Mexico, China, Poland und der Czech Republic angefertigt wurden, kann man beim Zusammenstecken eigentlich nur dann fehlerhaft arbeiten, wenn man eine Darth Vader-Maske trägt und nebenbei auch noch eine Tüte Kartoffelchips vertilgen muss. Die 166-seitige Zusammenbau-Anleitung garantiert völlig ungetrübten Konstruktionsgenuss — das stellten Alexandra und ich in dieser besinnlichen Vorweihnachtszeit mit Freude fest.

Was bitteschön ist ein Millennium Falcon? Das darf man sich freilich fragen, wenn man mit der STAR WARS-Episodology nicht vertraut ist. Muss ich hier STAR WARS erklären? Würde mir Spaß machen, aber ich will ja niemanden langweilen. Ach was, ein paar Eckdaten können ja nicht schaden.

1977 erschien „Episode IV“, das hat den 18-jährigen Zinkl null interessiert, weil er zu dieser Zeit „Berlin Alexanderplatz“ von Alfred Döblin gelesen hat. Und das verträgt sich nicht, rein intellektuell betrachtet. Auch die Fortsetzungen „Episode V“ (1980) und „Episode VI“ (1983) lockten mich nicht ins Kino, das war für mich Kinder-Science Fiction.

Als Herr Lucas dann allerdings 1999, 2002 und 2005 mit den drei ersten Episoden herausrückte und damit das große Epos mit einer ausführlichen Vorgeschichte abrundete, konnte Zinkl die Sache nicht mehr ignorieren. Er erwarb ein paar Jahre später die schicke Blu-ray-Box mit allen 6 Episoden und inkl. einiger (für ihn) überflüssiger Bonus-Scheiben und stellte sie sich ins Regal.

Erst in diesem Dezember 2021 holte ich die Box wieder hervor. Weil Alexandra ein Goldschatz ist und viel Verständnis hat für einen alten Kindskopf wie mich, weil sie bei STAR WARS endlich „mitreden können wollte“ — und weil sie cool genug ist, um nicht herumzumeckern an der simplen Handlung eines vielstündigen „Weltraummärchens“, welches man sich für Jugendliche und kindisch gebliebene Erwachsene ausgedacht hat. Außerdem bestehen die Filme zu einem großen Teil aus wildem Lasergeballer und Raumschiffdetonationen satt, das kann man auch mit Kartoffelchips problemlos konsumieren. Nicht zu vergessen die wuchtige Orchestermusik, die man in Zinkls Heimkino in voller Dröhnung hingeschmettert bekommt.

Genau: Der Falcon ist DAS Raumschiff in der Serie. Ein tellerförmiger superleistungsfähiger Raumkreuzer, gesteuert vom jungen Harrison Ford 1977 und vom alten Harrison Ford 2015, also 38 Jahre später wieder. 1977 verknallt sich Harrison Han Solo ja in Prinzessin Carrie Leia Fisher, 2015 wird er ziemlich unschön von seinem aus dieser Liasion entstandenen böse gewordenen Sohn Kylo Ren abserviert. Kylo ist in der 2015 ergänzten „Episode VII“ so eine neue Art Darth Vader, aber in der jähzornigen Version, und: Er ist kein dunkler Vater, sondern lediglich ein dunkler Sohn. Das ist alles ein ziemliches Familiengewurschtel bei den Jedis, da muss man erstmal durchblicken, aber mit der Zeit schnallt man es schon.

Bemerkenswert ist es, dass der böse Befehlshaber Wilhuff Tarkin (ein sogenannter Großmoff) in der Erstausstrahlung ’77 von dem englischen Mimen Peter Cushing dargestellt wurde. Cushing war in den 60er Jahren bereits bekannt als festangestellter Darsteller der Hammer Horror Studios und war ein großartiger Dr. Frankenstein und als Dr. Van Helsing der Gegenspieler von Christopher Dracula Lee — letzterer durfte übrigens in Episode II mitspielen. Jedi-Dracula :-))

Jedenfalls hat es mich gewundert, dass Herr Cushing in „STAR WARS Rogue One“ (einem Ergänzungsfilm zu den Episoden) aus dem Jahre 2016 erneut den Großmoff verkörpert hat. Zu dieser Zeit war Cushing schon seit 22 Jahren verstorben. Man hat ihn zurückdigitalisiert, aber richtig gut. Was ein pflichtbewusster Schauspieler ist, der stirbt nicht.

Der gute Max von Sydow dagegen hat in Episope VII im Jahre 2015 selbst noch leibhaftig als 86-Jähriger mitgemacht. Dabei sah er 1973 in „Der Exorzist“ schon ziemlich alt aus. Unglaublich. Ach ja: Es wurden in jüngerer Zeit auch noch STAR WARS-Episoden VIII und IX gedreht, die Zeit nach Darth Vader, dafür hat man den alten Mark Luke Skywalker Hamill wieder aus der Versenkung geschürft. Lobenswert, so durfte der gute Mann endlich in bedeutender Rolle auf die Leinwand zurück.

So, jetzt höre ich aber auf, ich komme da vom Hundertste ins Tausendste, bei diesem Neverending-Epos. In welcher sich die Handlung im Grunde immer wiederholt mit den Ingredienzien: jugendlicher Held/Heldin, lustige Roboter, Wüstenplanet, Eisplanet, Kaschemme mit skurrilen Alienmusikanten, Todesstern und bösartige machtgeile alte Männer in Kapuzenmänteln mit bunten Laserschwertern…

Wie man jedenfalls unschwer erkennen kann, bin ich noch im fortgeschrittenen Alter zu einem kleinen STAR WARS-Spezialisten geworden — wer hätte das gedacht von einem, der mal Alfred Döblin und Günter Grass gelesen hat!

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